Achter Vortrag
Brechen wir mit demjenigen, was in den Widerspruch geführt hat! Der Widerspruch ist real da, ist wirklich da, denn das Leben der letzten drei Jahre über die Erde hin ist ein realisierter Widerspruch. Man muß also andere Ansichten gewinnen über das, was vorgeht, als man sie gehabt hat. Radikale Revision der Anschauungen, das fordert die Zeit von uns. Es ist sogar schwierig, wenn man einen solchen Gedankengang angefangen hat, ihn in der Gegenwart bis zu seinem völligen Ende zu führen, denn die Menschheit ist heute nicht freidenkerisch genug, diese Gedanken zu Ende kommen zu lassen. Wer Sinn hat für Wirklichkeit, für das wirkliche Geschehen um uns herum, der nämlich kann in der Wirklichkeit draußen sehen, daß dort diese Konsequenzen schon gezogen werden. Nur in die menschlichen Köpfe wollen sie noch nicht hinein. In dieser Beziehung herrscht ein ungeheurer Gegensatz zwischen Westen und Osten. Ich habe Ihnen über den gründlichen Gegensatz zwischen Westen und Osten im vorigen Jahre von den verschiedensten Gesichtspunkten aus gesprochen, habe Sie zum Beispiel aufmerksam darauf gemacht, wie der Westen über das Geburtsproblem und die Forderung nach Menschenrechten spricht. Sehen Sie sich die westlichen Weltanschauungen an: Herkommen, Geburt, das ist der hauptsächlichste naturwissenschaftliche Begriff, der dort herrscht. Daher entstand im Westen die Herkommenslehre, die Darwinsche Lehre. Man könnte auch sagen: die Geburten- und Vererbungslehre auf philosophischem Gebiete, auf praktischem Gebiete, ist die Anschauung von den Rechten der Menschen.
Cite:
GA 177/1917-10-13/p027 · edition original