Achter Vortrag
Im wenig gekannten Osten, im russischen Leben, da finden wir Betrachtungen über Tod, über geistige Ziele des menschlichen Lebens - lesen Sie Solowjow, der ja jetzt bequem gelesen werden kann -, den Schuldbegriff, den Sündenbegriff auf ethisch-praktischem Gebiet. Ja, solcher Gegensatz ist auf den meisten Gebieten vorhanden. Und man begreift die Realität, die Wirklichkeit nicht, wenn man nicht solchen Gegensatz gehörig ins Auge fassen kann. Die Emotionen, die Sympathien und Antipathien, die hindern den Menschen, die in Betracht kommenden Dinge wirklich ins Auge zu fassen. Wenn sich diese Emotionen, diese Sympathien und Antipathien regen, dann lassen die Menschen die Wirklichkeit schon gar nicht an sich herankommen; ebensowenig wie die widerstreitenden Dinge an denjenigen herankommen, der sich in einen gewissen Vergleich verliebt hat, weil die Menschen das, was sie lieben, für absolute Wahrheit halten und sich gar keine Vorstellung davon machen, daß das Entgegengesetzte, nur von einem andern Gesichtspunkt aus, auch wahr sein kann.
Cite:
GA 177/1917-10-13/p028 · edition original