Achter Vortrag
Aber will man denn heute auf so etwas Kolossales sein Augenmerk richten? Hat denn dieser März 1917 den Menschen dieses Licht aufgesteckt von dem großen Gegensatz des Westens und des Ostens? Da stand im vorigen Jahre hier auf der Tafel, was dem Westen und dem Osten in der Weltanschauung zugehört! Die Weltgeschichte lehrt es seit dem März dieses Jahres. Und die Menschen müssen lernen und müssen verstehen lernen, sonst werden noch ganz andere schwere Zeiten kommen. Nicht darum handelt es sich, im Abstrakten dieses oder jenes zu wissen, sondern hauptsächlich darum, überall die Forderung zu stellen zur Umkehr, zur Anstrengung, zur Überwindung des bequemen Schlendrians und in einer geistigen Weltauffassung das Richtige zu sehen. Und im geisteswissenschaftlichen Streben müssen Energien gesucht werden, nicht bloß Befriedigung, um zu sagen: Was war das wieder schön; ich bin so recht befriedigt! - und in einem Wolkenkuckucksheim zu schweben, so daß man allmählich einschläft in der Befriedigung über die Harmonie in der Welt und über die allgemeine Menschenliebe. Innerhalb jenes gesellschaftlichen Strebens, dem ja Mrs. Besant vorgestanden hat, hat sich das so recht zum Ausdruck gebracht. Viele von Ihnen werden sich noch erinnern an die vielen Proteste, die ich gegen all das edle Gesäusel vorgebracht habe, das man gerade auf dem Boden der Theosophischen Gesellschaft finden konnte. Hohe Ideale von wunderbarem Gesäusel wurden ja international-liberal verzapft. Allgemeine Brüderlichkeit, allgemeine Menschenliebe: so tönte es überall. Da konnte man nicht mitmachen. Wir suchten wirkliches, konkretes Wissen über die Vorgänge der Welt. Und Sie erinnern sich des Vergleiches, den ich oft gebraucht habe, daß mir dieses Gesäusel von allgemeiner Menschenliebe vorkommt, wie wenn einer einem Ofen, der das Zimmer heizen soll, immerfort zuredet: Lieber Ofen, es ist deine allgemeine Ofenpflicht, das Zimmer warm zu machen; also mache das Zimmer warm. — So kamen mir alle männlichen und weiblichen Tanten vor, welche dazumal die Summe der Theosophie in diesem Gesäusel von der allgemeinen Menschenliebe zum Ausdruck brachten. Ich habe dazumal gesagt: Man muß in die Öfen eben Kohlen tun, Holz hineinbringen und es anzünden. Und so muß man, wenn man es mit einer geistigen Bewegung zu tun hat, wirkliche, konkrete Begriffe in diese geistige Bewegung hineinbringen, sonst säuselt man jahrelang von allgemeiner Menschenliebe. Diese «allgemeine Menschenliebe» hat sich ja gerade bei der Führerin der theosophischen Bewegung, bei Mrs. Besant, in holdem Lichte gezeigt.
Cite:
GA 177/1917-10-13/p034 · edition original