Neunter Vortrag

GA 177/1917-10-14/p030 ·1917-10-14 · original (original)
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Man kann solche Dinge, die man damit eigentlich meint, manchmal nur vergleichsweise ausdrücken. Ich habe gestern darauf aufmerksam gemacht, in welcher Weise im Osten Europas Konsequenzen gezogen worden sind aus solchen Vorgängen. Wenn man hier im Westen einigermaßen aus äußeren Dingen kennenlernen will, was eigentlich in der osteuropäischen Seele lebt, dann ist das beste Mittel, aus den Schriften des Philosophen Solowjow sich einen Einblick in die Seele des Ostens zu verschaffen; aber es wird dieser Einblick auch nur sehr mangelhaft sein. Den wirklichen Einblick kann man nur gewinnen durch diejenigen Erkenntnisse, die im Laufe der Jahre und Jahrzehnte innerhalb unserer anthroposophischen Bewegung in den Zyklen und Vorträgen zutagegetreten sind über die Bestimmung des russischen Volksgeistes, über das Wesen des russischen Volksgeistes. Aber wenn man den Blick auf den Philosophen Solowjow richtet, dann kann man vergleichsweise ausdrücken, was man mit Bezug auf solche Dinge eigentlich sagen will. Sie wissen, Solowjow ist ja an der Wende des 19. zum 20. Jahrhundert gestorben, ist also längst tot. Die westlichen Menschen haben sich ja nicht viel gekümmert um die Philosophie des Solowjow. Es war nicht viel Gelegenheit, sich mit ihr bekanntzumachen, und die westlichen Menschen haben ja nicht viel danach gesucht, Solowjow als einen Vermittler des europäischen Ostens kennenzulernen. Höchstens daß ein Professor, wie ja bekannt ist, vor einigen Jahren einmal darauf gekommen ist, daß es doch nicht gut sei, über Solowjow gar nichts zu wissen, wenn man Philosophieprofessor an einer Universität ist. Nun, da hat er eine Dissertation darüber machen lassen von einem Doktoranden, und sich gedacht: Der Doktorand kann dann die Sachen des Solowiew studieren, und er liest dann die Dissertation!

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Cite: GA 177/1917-10-14/p030 · edition original