Individuelle Geistwesen und einheitlicher Weltengrund I

GA 178/1917-11-18/p005 ·1917-11-18 · original (original)
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Wenn man die Schwelle des Bewußtseins überschreitet, so kommt man immer in geistiges Gebiet hinein; ganz gleichgültig, ob man ins Unterbewußte oder ins Überbewußte kommt, man kommt immer in geistiges Gebiet hinein, aber in ein Gebiet, in dem der Geist in einer gewissen Weise bewußt ist, irgendeine Form des Bewußtseins entwickelt. Wo Geist ist, ist auch Bewußtsein. Man muß nur aufsuchen die Bedingungen, unter denen das betreffende Bewußtsein steht; man muß eben gerade durch Geisteswissenschaft die Möglichkeit haben, zu erkennen, welche Art von Bewußtsein eine bestimmte Geistigkeit hat. Wenn wir also hier vor acht Tagen den Fall jener Dame angeführt haben, welche aus einer Gesellschaft herausgeht, dann vor den Pferden einherläuft, abgehalten wird in einen Fluß zu springen, dann zurückgetragen wird in das Haus, von dem sie gekommen ist, um dort mit dem Hausherrn zusammengebracht zu werden, weil sie den Hausherrn in irgendeiner ihr unklaren, unterbewußten Weise liebt, dann darf nicht gesagt werden, daß der Geist, der nicht dem Bewußtsein dieser Dame angehört, der sie drängt und führt, ein unbewußter Geist sei, oder daß er ein unbewußtes Seelisches sei: der ist etwas sehr Bewußtes. Die Bewußtheit dieses dämonischen Geistes, der diese Dame wiederum zurückführt zu dem unrechtmäßig Geliebten, dieser Dämon ist sogar viel gescheiter in seinem Bewußtsein als die Dame in ihrem Oberstübchen — wollte sagen: Bewußtsein — eigentlich ist. Und diese Geister, wenn der Mensch in irgendeiner Weise die Schwelle seines Bewußtseins überschreitet, diese Geister, die da regsam, wirksam werden, das sind nicht unbewußte Geister, das sind solche Geister, die sehr gut für sich bewußt regsam, wirksam werden. Das Wort unbewußter Geist, wie es die Psychoanalytiker brauchen, hat gar keinen Sinn; denn ebensogut könnte ich, wenn ich bloß von mir aus sprechen würde, von der ganzen erlauchten Versammlung, die hier sitzt, sagen, sie ist mein Unbewußtes, wenn ich nichts davon weiß. Ebensowenig darf man die geistigen Wesenheiten, die um uns sind und die in einem solchen Falle erfassen die Persönlichkeit, wie in dem Fall, den ich Ihnen vor acht Tagen erzählte, ebensowenig dürfen wir diese unbewußte Geister nennen. Sie sind unterbewußt; sie sind nicht erfaßt von dem Bewußtsein, das in uns gerade lebt; aber für sich sind sie vollständig bewußt.

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Cite: GA 178/1917-11-18/p005 · edition original