Dritter Vortrag

GA 179/1917-12-10/p015 ·1917-12-10 · original (original)
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Weil die geistige Welt so durchaus anders ist als die physische Welt und die Menschen seit dem 15. Jahrhundert ungefähr sich nur Vorstellungen bilden wollen, die im Sinne der physischen Welt geartet sind, so verlegen sich, verbauen sich die Menschen den Zugang zur geistigen Welt. Wenn die Menschen sich einmal herbeilassen werden, wenigstens die Möglichkeit vor sich hinzustellen, daß es eine Welt geben kann, die in gewissem Sinne, nicht in allem, entgegengesetzt ist derjenigen, die der Mensch hier die wahre Welt nennt, wenn sich die Menschen einmal werden Vorstellungen bilden wollen, die vielleicht demjenigen als die allerverrücktesten erscheinen, der nur in materialistischer Welt leben will, dann erst werden die Menschen ihre Seelen so umformen, daß sie die Möglichkeit erhalten, wirklich hineinzuschauen in diese geistige Welt, die ja fortwährend um uns herum ist. Es ist nicht so, daß die Menschen unbedingt durch ihre Natur getrennt wären von der geistigen Welt, sondern es ist deshalb so, weil die Menschen durch Gewöhnung, durch Vererbungsverhältnisse, seit dem 14. und 15. Jahrhundert sich ganz abgewöhnt haben, andere Vorstellungen zu bilden als diejenigen, die hier der physischen Welt entlehnt sind. Ist es ja sogar so für die Kunst geworden! Was will denn die heutige Kunst noch anderes bilden als das, was nach dem Modell gebildet ist, was sich draußen in der Natur auch bildet. Selbst in der Kunst wollen die Menschen nicht mehr gelten lassen das, was auch als ein Reales frei aufsteigt aus dem Geistesleben der Seele. Aber die Menschen können nicht das tilgen, was in den geschichtlichen Ereignissen, im ethisch-moralischen Zusammenleben, im sozialen Zusammenleben selbst als frei Aufsteigendes wirksam und tätig ist, wenn sie es auch verträumen, verschlafen. Sobald der Mensch auch nur im geringsten über das hinausgeht, was seine ureigensten, persönlichsten Angelegenheiten sind - und er geht ja in jedem Augenblicke des Lebens darüber hinaus -, so wirkt durch seinen Arm, durch seine Hand, durch sein Wort, durch seinen Blick die geistige Welt, jene Welt, die wir — das muß ich immer wieder betonen mit den Toten gemeinschaftlich haben.

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Cite: GA 179/1917-12-10/p015 · edition original