Dritter Vortrag

GA 179/1917-12-10/p026 ·1917-12-10 · original (original)
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Ich habe Ihnen schon ein Ereignis als Beispiel angeführt, das ein sensationelles Ereignis im Menschengeschehen ist. Aber es ist schon einmal so, daß die Menschen auf solche sensationellen Ereignisse leichter hinschauen als auf die andern Ereignisse, die von genau derselben Art sind, aber sich stündlich, ja augenblicklich innerhalb unseres Lebens immer vollziehen. Ich habe Sie aufmerksam gemacht darauf, wie so ein Ereignis verfließt: Ein Mann ist gewöhnt, einen Spaziergang zu machen an einem Berghang; er machte ihn durch lange Zeit hindurch täglich. Aber eines Tages, als er ausgeht und an eine bestimmte Stelle des Weges kommt, hört er,wie wenn eine Stimme ihm zutönen würde, so ungefähr: Warum gehst du denn eigentlich diesen Weg? Hast du es denn nötig, dies zu tun? - so ähnlich. Er wird bedenklich, als er diese Stimme hört; er tritt zur Seite, besinnt sich einen Augenblick über das Sonderbare, das sich zugetragen hat - ein Felsblock stürzt herab, der ihn ganz sicher zerschmettert hätte, wenn er nicht durch die Stimme auf die Seite getreten wäre. Es ist ein sensationelles Ereignis. Aber für denjenigen, der die Welt nüchtern und doch geistig betrachtet, ist es nichts anderes als ein solches Ereignis, wie es sich in jedem Augenblick unseres Lebens vollzieht. Denn in jedem Augenblick unseres Lebens könnte auch etwas anderes geschehen, wenn dies oder jenes eintreten würde.

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Cite: GA 179/1917-12-10/p026 · edition original