Vierter Vortrag
Was die anthroposophisch orientierte Geisteswissenschaft darbietet, war bis jetzt eigentlich nur in einzelnen Lichtblitzen außerhalb der okkulten Schulen erlangt worden. Aber einzelne Menschen hat es immer gegeben, die auf solche Dinge wie durch Lichtblitze des Lebens gekommen sind. Besonders im 19. Jahrhundert kamen, ich möchte sagen vorahnend, einzelne Geister darauf, daß im Menschen drinnen so etwas mit wildgebändigten Trieben steckt. Es gibt Schriftsteller, die davon sprechen. Und aus der Art, wie sie davon sprechen, sieht man, wie sie erschrocken sind über diese Erkenntnis. Ja, so bequem geistig zu verdauen wie die heutigen naturwissenschaftlichen Erkenntnisse, sobequem sind die hohen Wahrheiten nicht. Diese hohen Wahrheiten haben schon zuweilen die Eigenschaft, daß man vor ihrer Wirklichkeit erschrecken kann. Und es hat Geister im 19. Jahrhundert gegeben, die erschrocken sind, die furchtbar berührt gewesen sind, als sie wahrnahmen, was eigentlich aus dem manchmal verwirrt blickenden Auge des Menschen oder aus sonstigem am Menschen spricht. Einer der Schriftsteller des 19. Jahrhunderts hat sich drastisch ausgedrückt, indem er sagte: Jeder Mensch trägt eigentlich einen Mörder in sich. — Er meinte diesen Kentauren, der ihm unklar zum Bewußtsein gekommen ist.
Cite:
GA 179/1917-12-11/p016 · edition original