Vierter Vortrag
Dies ist die eine Seite, durch die ich eine gewisse Betrachtung vorbereiten will, die wir dann demnächst fortsetzen werden. Die andere Seite ist die folgende: Der Mensch tritt durch die Todespforte; ich habe ja das letzte Mal davon gesprochen, wie verschieden das ganze Erleben dann wird, indem ich Ihnen angedeutet habe, wie der Verkehr mit einem Toten eigentlich so vor sich geht, daß dasjenige, was man selber ihm mitteilt, wie aus ihm spricht, und dasjenige, was er einem mitteilt, wie aus den Tiefen des eigenen Wesens heraus spricht. Es kehrt sich geradezu das gegenseitige Verhältnis um im Verkehr mit dem Toten. Wenn Sie hier mit einem Menschen verkehren, da sprechen Sie. Sie hören sich dasjenige sprechen, was Sie dem andern mitteilen. Von ihm hören Sie dasjenige, was er Ihnen mitteilt. Wenn Sie mit dem Toten sich verständigen, dann dringt aus Ihrer eigenen Seele herauf dasjenige, was er sagt, und wie durch ein Echo tönt von ihm zurück Ihnen entgegen, was Sie ihm mitgeteilt haben. An sich nehmen Sie es gar nicht wahr, was Sie ihm mitgeteilt haben: an ihm nehmen Sie es wahr. Das wollte ich nur als ein Beispiel angeben für den radikalen Unterschied, der da besteht zwischen der physischen Welt hier, in der wir zwischen Geburt und Tod leben, und der Welt, in der wir leben zwischen dem Tod und einer neuen Geburt.
Cite:
GA 179/1917-12-11/p018 · edition original