{"corpus":"steiner","locus":"GA 179/1917-12-15/p003","lang":"de","edition":"original","edition_basis":null,"is_original":true,"is_default_edition":true,"text":"Wenn wir dasjenige durchdringen wollen, was den beiden in das Menschenleben eingreifenden Impulsen, der sogenannten Freiheit und der sogenannten Notwendigkeit, zugrunde liegt, dann müssen wir zu den mancherlei Voraussetzungen, die wir schon geschaffen haben, einige andere noch hinzufügen. Und das will ich heute tun, damit wir dann morgen in der Lage sind, gewissermaßen die Konklusion, den Schluß in bezug auf den Freiheits-- und Notwendigkeitsbegriff im menschlichen, sozialen, sittlichen und geschichtlichen Wirken zu ziehen. Wenn man solche Dinge bespricht, dann kommt eigentlich immer mehr in Betracht, daß die Menschen, und namentlich die Menschen der Gegenwart danach streben, die höchsten, die wichtigsten, die bedeutsamsten Dinge mit den allereinfachsten Begriffen und Vorstellungen zu umfassen. Um eine Uhr zu begreifen - ich habe das öfters schon erwähnt -, dazu hält man mancherlei Kenntnisse für notwendig, und man wird nicht ohne einen Schimmer davon zu haben, wie Räder zusammenwirken oder dergleichen, aus dem Stegreif heraus den Gang einer Uhr im einzelnen erklären wollen. Ein Sachverständiger über Freiheit und Notwendigkeit will man eigentlich in jeder Lage des Lebens sein, ohne über diese Dinge etwas zugrunde Liegendes gelernt zu haben. Über die allerwichtigsten, allerwesentlichsten Dinge, die nur eingesehen werden können im ganzen Zusammenhange mit der Menschennatur, möchte man sich am liebsten nicht unterrichten und alles mögliche wie von selbst wissen und beurteilen. Das ist insbesondere so die Sehnsucht unserer Zeit. Wenn geltend gemacht wird, daß der Mensch eine komplizierte, eine mannigfaltigst zusammengesetzte Wesenheit ist, eine Wesenheit, die auf der einen Seite tief eintaucht in alles das, was mit dem physischen Plane zusammenhängt, auf der andern Seite wiederum seelisch tief eintaucht in all das, was mit den geistigen Welten zusammenhängt, dann wird gar leicht erwidert, daß solche Dinge trocken, verstandesmäßig seien, daß man die allerwichtigsten und wesentlichsten Dinge in einer ganz andern Weise auffassen müsse.","text_trust":"verbatim","quote_safe":true,"title":"Fünfter Vortrag","site_heading":null,"date":"1917-12-15","location":null,"word_count":297,"url":"https://anthroposophy.ai/v1/steiner/de/ga/179/1917-12-15/p003","alignment_confidence":null,"alignment_reason":null,"two_voice_volume":false,"translation_credit":null,"edition_coverage":{"de":["original"],"en":["English"]},"available_versions":[{"lang":"de","edition":"original","edition_basis":null,"is_original":true,"is_default_edition":true,"url":"https://anthroposophy.ai/v1/steiner/de/ga/179/1917-12-15/p003"},{"lang":"en","edition":"English","edition_basis":null,"is_original":false,"is_default_edition":true,"url":"https://anthroposophy.ai/v1/steiner/en/ga/179/1917-12-15/p003","paragraph_aligned":true}],"record":{"record_type":"unknown","scope":"volume","note":"How this text was taken down (shorthand transcript, listeners' notes or manuscript) is not on record here. Unknown is not an assurance of a stenogram: check the edition's own notes before resting an argument on one word.","evidence":null,"evidence_translation":null,"evidence_source":null}}