Fünfter Vortrag
Nun kommt ein anderes dazu. Wir sprechen im gewöhnlichen wachen Bewußtseinsleben von unserem Ich. Aber von diesem Ich können wir eigentlich mit dem gewöhnlichen Wachbewußtsein nur in recht uneigentlichem Sinne sprechen. Denn welche Natur und Wesenheit hat eigentlich dieses Ich? Es kann nicht erkannt werden im gewöhnlichen Wachbewußtsein. Taucht das schauende Bewußtsein in das wahre Wesen des Ich ein, dann ist das wahre Ich des Menschen willensartiger Natur. Das, was der Mensch im gewöhnlichen Bewußtsein hat, ist nur die Vorstellung des Ich. Daher wird es dem naturforscherischen Psychologen leicht, dieses Ich überhaupt wegzuleugnen, obwohl andererseits dieses Wegleugnen ein wirklicher Unsinn ist. Solche Naturforscher und Psychologen sprechen davon, daß das Ich sich eigentlich nach und nach heranbilde, daß der Mensch im Verlauf seiner individuellen Entwickelung zu diesem Ich komme. Er kommt nicht zu dem Ich, sondern zu der Ich-Vorstellung auf diese Art. Und es ist leicht hinwegzuleugnen, weil es eben im gewöhnlichen Bewußtsein nur eine Vorstellung, ein Spiegelbild des wirklichen, wahren, echten Ich ist. Das echte Ich lebt in derselben Weltensphäre, in der die wahre Wirklichkeit unseres Willens lebt. Und das, was wir den astralischen Leib nennen, was wir als das eigentliche Seelenleben bezeichnen können, das wiederum lebt in derselben Sphäre, in der da lebt unser Gefühlsleben. Wenn Sie die beiden Dinge zusammennehmen, die wir so betrachtet haben, können Sie daraus wiederum ersehen, daß wir mit unserem Ich und mit unserem astralischen Leib untertauchen in dasselbe Gebiet, das wir mit den Toten gemeinschaftlich haben. In dem Augenblicke, wo wir hellseherisch in unser wahres Ich hinuntersteigen, sind wir ebenso unter den Ichen der Toten wie unter den Ichen der sogenannten Lebendigen.
Cite:
GA 179/1917-12-15/p006 · edition original