Fünfter Vortrag

GA 179/1917-12-15/p018 ·1917-12-15 · original (original)
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Woher kommen solche Antriebe? Woher kommt das, was nicht aus der äußeren Welt kommt? Nun, es kommt aus der geistigen Welt. Der Mensch braucht sich nicht in jeder Lage seines Lebens hellseherisch bewußt zu sein, wie diese Impulse aus der geistigen Welt kommen, aber sie können in ihm doch da sein. Nur wird er sie notwendigerweise etwas anders auffassen müssen. Wenn wir uns im schauenden Bewußtsein zur ersten Stufe der geistigen Welt erheben, so ist das die imaginative Welt; die zweite Stufe ist die inspirierte Welt, wie Sie wissen; die dritte Stufe die intuitive Welt. Statt daß wir also die Impulse unseres Wollens, unseres Handelns aufsteigen lassen aus unserem physischen, aus unserem astralischen, aus unserem ätherischen Leib, können wir, wenn wir von dieser Seite her keine Impulse empfangen, sondern sie aus der geistigen Welt empfangen, sie nur entgegennehmen als Imaginationen, hinter denen Inspirationen, hinter denen Intuitionen stehen. Aber das braucht nicht bewußt als hellseherisches Bewußtsein erlebt zu werden: Jetzt will ich dieses, dahinter stehen Intuitionen, Inspirationen, Imaginationen -, sondern das Resultat davon tritt auf als ein Begriff, als ein reines Denken, sieht so aus, wie ein in der Phantasie geschaffener Begriff. Weil das so ist, weil ein solcher Begriff, der dem freien Handeln zugrunde liegt, für das gewöhnliche Bewußtsein wie ein aus der Phantasie heraus geschaffener Begriff erscheinen muß, nannte ich das, was dem freien Handeln zugrunde liegt, in meiner «Philosophie der Freiheit» die moralische Phantasie. Was ist also diese moralische Phantasie? Diese moralische Phantasie ist, ich möchte sagen, das Gegenteil eines Spiegelbildes. Dasjenige, was wir um uns herum als die äußere physische Wirklichkeit ausgebreitet haben, das ist ein Spiegelbild, da werden uns die Dinge zurückgespiegelt. Die moralische Phantasie ist das Tableau, durch das wir nicht durchsehen. Daher erscheinen uns die Dinge als Phantasie. Hinter ihnen stehen aber die eigentlichen Impulse: Imaginationen, Inspirationen, Intuitionen, die wirken (siehe Zeichnung S. 102). Wenn man nicht weiß, daß diese wirken, sondern nur das, was sie bewirken, ins Bewußtsein, ins gewöhnliche Bewußtsein hereinbekommt, so sieht es wie eine Phantasie aus. Und diese Ergebnisse der moralischen Phantasie, diese nicht aus Trieben, Leidenschaften, Affekten geholten Antriebe des Handelns, sie sind freie Antriebe.

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Cite: GA 179/1917-12-15/p018 · edition original