Sechster Vortrag
Denken Sie an dasjenige, was wir gestern besprochen haben. Wir haben gestern besprochen, daß dieser viergliedrige Mensch, der, im groben Sinne genommen, aus dem physischen, dem Äther- oder Bildekräfteleib, dem astralischen Leib und dem Ich besteht, eigentlich mit Bezug auf alle diese Teile, diese Glieder verschiedenes Alter hat. Wenn ein Mensch achtundzwanzig Jahre alt ist, dann ist er nur in bezug auf seinen physischen Leib, sagte ich gestern, achtundzwanzig Jahre alt, mit Bezug auf den sogenannten Ätherleib einundzwanzig Jahre, mit Bezug auf den astralischen Leib vierzehn Jahre, mit Bezug auf das Ich erst sieben Jahre. Sie können gut aus dem, was gestern besprochen worden ist, die Anschauung gewinnen: da steht ein Mensch mit achtundzwanzig Lebensjahren; aber das ist im uneigentlichen Sinne gesprochen: der Mensch mit diesen achtundzwanzig Lebensjahren ist nur als physischer Mensch achtundzwanzig Jahre alt. In diesem Menschen lebt zum Beispiel das Ich - wenn wir von dem andern absehen -, das langsamer lebt, das dann noch ein Kind von sieben Jahren ist, wenn der Mensch achtundzwanzig Jahre alt ist. Dieses Kind von sieben Jahren, wenn der Mensch seinem physischen Leibe nach achtundzwanzig Jahre alt ist, das steht in der Tat mit ganz andern Welten in Verbindung, als diejenige Welt ist, in der naturwissenschaftliche Notwendigkeit herrscht. Aber in dem materialistischen Zeitalter haben die Menschen sich gewöhnt, nur diejenigen Begriffe sich zu bilden, welche anwendbar sind auf das Verhältnis des physischen Leibes des Menschen zu der physischen Umgebung, und nach diesem wird alles beurteilt. Der Mensch ist als wirklicher Mensch, wie er drinnensteht in der Welt, eine komplizierte Wesenheit, so kompliziert, wie wir das gestern wieder besprochen haben und von vielen Betrachtungen her kennen. Was der Mensch über sich zu wissen glaubt, was er von sich aussagt, das ist für unser materialistisches Zeitalter eigentlich nur ein Viertel von dem, was sich auf den Menschen bezieht, nur dasjenige, was sich auf den physischen Leib bezieht. Nur für dieses Verhältnis des physischen Leibes zur Umgebung kann man von naturwissenschaftlicher Notwendigkeit sprechen. Wovon muß man sprechen, wenn wir von dem übrigen wieder absehen, in bezug auf das, was zum Beispiel in dem achtundzwanzigjährigen Menschen noch ein siebenjähriges Kind ist? Da muß man von etwas ganz anderem sprechen, von dem diese unendlich aufgeklärte Gegenwart, diese unendlich gescheite Gegenwart sich ganz abgewender hat. Da muß man sprechen, so sonderbar das den Menschen der Gegenwart klingt, von dem Wunder.
Cite:
GA 179/1917-12-16/p019 · edition original