Sechster Vortrag

GA 179/1917-12-16/p021 ·1917-12-16 · original (original)
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Bedenken Sie, wieviel Goethe sich befaßt hat mit naturwissenschaftlichen Vorstellungen, wie er es geradezu zu musterhaft naturwissenschaftlichen Vorstellungen gebracht hat! In ihm lebte, wie Sie wissen, die fortdauernde Sehnsucht nach Italien, bevor er nach Italien gekommen ist. Und als er in Italien die großen Kunstwerke, die ihm eine Vorstellung von der griechischen künstlerischen Schöpfertätigkeit gegeben haben, gesehen hat, schrieb er an seine Freunde in Weimar: «Da ist die Notwendigkeit, da ist Gott.» Er sprach von einer andern Notwendigkeit, als die ist, von der die bloße Naturwissenschaft spricht. Von dieser Notwendigkeit hätte er gerade nach seinen naturwissenschaftlichen Vorstellungen früher schon eine Empfindung haben können; die Notwendigkeit, die hereinleuchtete aus der geistigen Welt und die identisch ist mit dem Wunder, die empfand er, als er in Italien der griechischen Kunstwerke ansichtig wurde.

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