Siebenter Vortrag
Sie sehen, das, was macht, daß wir ein ordentliches Bewußtsein für den physischen Plan haben, ist zu gleicher Zeit der Grund, daß wir nicht hineinsehen mit dem gewöhnlichen Bewußtsein in dieses Gebiet, welches hinter der Erinnerung liegen müßte. Hinter der Erinnerung liegt es nämlich in Wirklichkeit. Man kann sich aber bemühen, die Erinnerung nach und nach etwas umzugestalten. Man muß nur vorsichtig dabei sein. Man kann damit beginnen, daß man versucht, dasjenige, an das man sich erinnert, immer genauer und genauer meditativ ins Auge zu fassen, bis man das Gefühl hat: Es ist nicht nur etwas, was man so in der Erinnerung ergreift, sondern etwas, was eigentlich da stehen bleibt. Ein Mensch, der ein intensives, reges Geistesleben entwickelt, bekommt schon allmählich dieses Gefühl, daß die Erinnerung nicht etwas ist, das kommt und geht, kommt und vergeht, sondern daß der Inhalt der Erinnerung etwas ist, was stehen bleibt. Nun allerdings, in dieser Weise arbeiten, kann nur dazu führen, die Überzeugung hervorzurufen, daß dasjenige, was in der Erinnerung sonst auftaucht, stehen bleibt, daß es wirklich als Akasha-Chronik vorhanden bleibt, daß es nicht weggeht. Dasjenige, was wir sonst in der Erinnerung überblicken: es steht da in der Welt, es ist in Wirklichkeit da. Aber weiter kommt man durch diese Methode eigentlich nicht, denn diese Methode, sich nur an seine persönlichen Erlebnisse zu erinnern, die gut hervorgerufen wird, die Erkenntnis, daß der Erinnerungsgehalt stehen bleibt — diese Methode ist in einem höheren Sinne zu egoistisch, um weiterzuführen als nur bis zu dieser Überzeugung. Im Gegenteil, wenn Sie über einen gewissen Punkt hin gerade diese Fähigkeit ausbilden würden, hinzuschauen auf das Stehenbleibende Ihrer eigenen Erlebnisse, so werden Sie sich erst recht den Ausblick in die freie Geisteswelt verbauen. Denn statt daß der Sack der Erinnerungen da ist, steht dann nur Ihr eigenes Leben um so kompakter da und läßt Sie nicht durchblicken.
Cite:
GA 179/1917-12-17/p027 · edition original