{"corpus":"steiner","locus":"GA 179/1917-12-17/p032","lang":"de","edition":"original","edition_basis":null,"is_original":true,"is_default_edition":true,"text":"Also wieder werden wir auch auf diese Weise dazu geführt, die Interessen zu erweitern über eine Charakteristik unseres Zeitalters und seines Hervorgehens aus dem allgemeinen Weltengang. Warum hat denn Goethe so intensiv danach gestrebt, griechische Kunst kennenzulernen, seine Zeit durch und durch zu verstehen, sie abzumessen an der vorhergehenden Zeit? Warum läßt er seinen Faust bis in die griechische Zeit, bis in die Helena-Zeit zurückgehen, den Chiron aufsuchen, die Sphinxe aufsuchen? Weil er seine eigene Zeit, wie sie an ihm gearbeitet hat, so kennenlernen will, wie er sie nur kennenlernen kann, wenn er diese eigene Zeit an der früheren Zeit mißt. Aber Goethe läßt seinen Faust nicht sich hinsetzen und Pergamente entfalten, Urkunden der Staatsarchive entfalten, sondern er führt ihn zurück auf Seelenwegen in die Impulse, welche ihn selber geformt haben. Es steckt in ihm manches von dem, was den Menschen hinweist auf ein Zusammenkommen auf der einen Seite mit den Toten, auf der andern Seite - Sie können es jetzt sehen aus dem Zusammenhang der Toten und Archangeloi - mit den Zeitgeistern und den Erzengeln. Dadurch, daß der Mensch mit den Toten zusammenkommt, kommt er auch in Berührung mit den Erzengeln und den Zeitgeistern. Gerade in den Impulsen, auf die Goethe in seinem «Faust» hindeutet, liegt das, wodurch der Mensch seine Interessen erweitert über den Zeitgeist, liegt das, was im eminentesten Sinne unserer Zeit notwendig ist. Allerdings ist unserer Zeit notwendig, in anderer Art auf so etwas hinzuschauen, wie es zum Beispiel der «Faust» ist, als die Zeit bisher darauf hingeschaut hat. Die meisten derjenigen, die den «Faust» beurteilen, kommen kaum darauf, wo die Probleme liegen. Einige kommen darauf, die Fragen zu stellen. Die Antworten werden oft in der kuriosesten Weise gegeben.","text_trust":"verbatim","quote_safe":true,"title":"Siebenter Vortrag","site_heading":null,"date":"1917-12-17","location":null,"word_count":283,"url":"https://anthroposophy.ai/v1/steiner/de/ga/179/1917-12-17/p032","alignment_confidence":null,"alignment_reason":null,"two_voice_volume":false,"translation_credit":null,"edition_coverage":{"de":["original"],"en":["English"]},"available_versions":[{"lang":"de","edition":"original","edition_basis":null,"is_original":true,"is_default_edition":true,"url":"https://anthroposophy.ai/v1/steiner/de/ga/179/1917-12-17/p032"},{"lang":"en","edition":"English","edition_basis":null,"is_original":false,"is_default_edition":true,"url":"https://anthroposophy.ai/v1/steiner/en/ga/179/1917-12-17/p032","paragraph_aligned":true}],"record":{"record_type":"unknown","scope":"volume","note":"How this text was taken down (shorthand transcript, listeners' notes or manuscript) is not on record here. Unknown is not an assurance of a stenogram: check the edition's own notes before resting an argument on one word.","evidence":null,"evidence_translation":null,"evidence_source":null}}