{"corpus":"steiner","locus":"GA 18/l06/p032","lang":"de","edition":"original","edition_basis":null,"is_original":true,"is_default_edition":true,"text":"Eine streng *einheitliche Weltanschauung* ist Goethe eigen; er will *einen* Gesichtspunkt gewinnen, von dem aus das ganze Universum seine Gesetzmäßigkeit offenbart, «vom Ziegelstein, der dem Dach entstürzt, bis zum leuchtenden Geistesblitz, der dir aufgeht und den du mitteilst» Denn «alle Wirkungen, von welcher Art sie seien, die wir in der Erfahrung bemerken, hängen auf die stetigste Weise zusammen, gehen ineinander über». «Ein Ziegelstein löst sich vom Dache los: wir nennen dies im gemeinen Sinne zufällig; er trifft die Schultern eines Vorübergehenden, doch wohl *mechanisch;* allein nicht ganz mechanisch, er folgt den Gesetzen der Schwere, und so wirkt er *physisch.* Die zerrissenen Lebensgefäße geben sogleich ihre Funktion auf; im Augenblick wirken die Säfte *chemisch,* die elementaren Eigenschaften treten hervor. Allein das gestörte *organische* Leben widersetzt sich ebenso schnell und sucht sich herzustellen; indessen ist das menschliche Ganze mehr oder weniger bewußtlos und *psychisch* zerrüttet. Die sich wiedererkennende Person fühlt sich *ethisch* im tiefsten verletzt; sie beklagt ihre gestörte Tätigkeit, von welcher Art sie auch sei, aber ungern ergäbe der Mensch sich in Geduld. *Religiös* hingegen wird ihm leicht, diesen Fall einer höheren Schickung zuzuschreiben, ihn als Bewahrung vor größerem Übel, als Einleitung zu höherem Guten anzusehen. Dies reicht hin für den Leidenden; aber der Genesende erhebt sich *genial,* vertraut Gott und sich selbst und fühlt sich gerettet, ergreift auch wohl das Zufällige, wendet's zu seinem Vorteil, um einen ewig frischen Lebenskreis zu beginnen.» So erläutert Goethe an dem Beispiel eines fallenden Ziegelsteins den Zusammenhang aller Arten von Naturwirkungen. Eine Erklärung in seinem Sinne wäre es, wenn man auch ihren streng gesetzmäßigen Zusammenhang aus *einer* Wurzel herleiten könnte.","text_trust":"verbatim","quote_safe":true,"title":"Das Zeitalter Kants und Goethes","site_heading":null,"date":null,"location":null,"word_count":266,"url":"https://anthroposophy.ai/v1/steiner/de/ga/18/l06/p032","alignment_confidence":null,"alignment_reason":null,"two_voice_volume":false,"translation_credit":null,"edition_coverage":{"de":["original"],"en":["AP1973"]},"available_versions":[{"lang":"de","edition":"original","edition_basis":null,"is_original":true,"is_default_edition":true,"url":"https://anthroposophy.ai/v1/steiner/de/ga/18/l06/p032"},{"lang":"en","edition":"AP1973","edition_basis":null,"is_original":false,"is_default_edition":true,"locus":"GA 18/p01c06/p032","anchor_mapped":true,"anchor_method":"part_chapter","anchor_confidence":"high","url":"https://anthroposophy.ai/v1/steiner/en/ga/18/p01c06/p032"}]}