Vierter Vortrag
Ich habe auf den großen Gegensatz hingewiesen, der besteht zwischen einer Vorstellungsweise wie der von Saint-Martin und der von Dupuis. Bei Saint-Martin findet man noch ein Bewußtsein alter Mysterienwahrheiten, was möglich war dadurch, daß er in einem gewissen Sinne ein Schüler und Nachfolger Jakob Böhmes war. Bei Saint-Martin, dessen Vorstellungsart noch im 18. Jahrhundert großen Einfluß hatte, finden wir also die untergehende Seite des Bewußtseins des 18. Jahrhunderts. Bei Dupuis finden wir die aufgehende Seite, die Seite des Vorstellungswesens des 18. Jahrhunderts, welche überzeugt ist davon, daß alles dasjenige, was Mysterienoffenbarung war, im Grunde genommen auf Irrtum.oder auf Betrug beruhe, und daß der Mensch nur dann ein wirklich aufgeklärtes Wesen ist, wenn er alles das abtut, was mit diesen Mysterienwahrheiten zusammenhängt, wenn er sich darauf beschränkt, eine Wissenschaft zu begründen, welche rein auf die Sinneswelt gebaut ist und auf den von dieser Sinneswelt abhängigen Verstand. Wir sagten, daß im Gegensatze zu dem Materialismus, der dann im 19. Jahrhundert begründet worden ist, der im Grunde genommen ein philiströser Materialismus ist, der Materialismus Dupuis’ noch etwas hat von Größe, von Unbefangenheit, von Nichtphilistrosität.
Cite:
GA 180/1917-12-26/p004 · edition original