Vierter Vortrag
Aber es ist notwendig, die Dinge, auch wenn sie solche klägliche Einzelheiten sind, in ihrer wahren Gestalt zu schauen. Denn man kann sagen: Man möchte vor Mitleid überfließen mit der armen Menschheit, die heute Dinge ernst nimmt, die im wahren Lichte gesehen eigentlich etwas Furchtbares darstellen an Unwahrhaftigkeit und an Verlogenheit, die durch die Welt gehen. — Das ist nicht gesagt, um irgendwie anzuklagen, nicht einmal, um zu kritisieren, sondern nur um den Sinn anzuregen, wirklich die Augen aufzumachen und mit offenen Augen dasjenige zu sehen, was geschieht. Zuweilen wird heute als etwas Großes dasjenige angebetet, was nicht mehr ist als lächerlich. Aber in diese Dinge muß eben hineingesehen werden. Entwickelt man den Willen zu solchem Hineinsehen, dann entwickelt man schon Weihnachtsgedanken, welche die rechten Ostergedanken sein werden. Dann kann man vielleicht in einer etwas paradoxen Weise sogar sagen: Je leidvoller diese Gegenwart ist, desto größere Früchte kann sie für die Zukunft tragen. - Aber gerade eine solche Zeit wie die unsrige hat es nötig, daß sich nicht erfülle an ihr das dichterische Wort von dem Finden eines kleinen Geschlechtes von seiten einer großen Zeit.
Cite:
GA 180/1917-12-26/p034 · edition original