Sechster Vortrag

GA 181/1918-03-19/p005 ·1918-03-19 · original (original)
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Der Mensch lebt ja, indem er die Zeit zwischen dem Tode und einer neuen Geburt durchläuft, in sehr von den Lebensverhältnissen der physischen Welt verschiedenen Daseinsbedingungen. Sie brauchen nur einen Blick auf das zu werfen, was in dem Vortragszyklus «Inneres Wesen des Menschen und Leben zwischen Tod und neuer Geburt» gesagt ist, so werden Sie sehen, welche von der physischen Weltauffassung verschiedenen Vorstellungen und Gedanken man anwenden muß, um über das Leben zwischen Tod und neuer Geburt zu sprechen. Warum sind denn eigentlich diese Vorstellungen, die man da anwenden muß, gar so verschieden von dem, was einem gewohnt ist für das gewöhnliche Bewußtsein? Das ist deshalb, weil aus gewissen Bedingungen heraus — wir werden das auch noch im Verlaufe dieses Winters besprechen müssen — der Mensch zwischen Tod und neuer Geburt in einer gewissen Art schon das vorausnimmt, was erst die Lebensbedingungen der nächsten Erdenverkörperung, der Jupiternatur, sein werden. Der Mensch lebt allerdings, man möchte sagen, in geistiger Verfeinerung, lebt so, daß das, was er jetzt zwischen Tod und neuer Geburt durcherlebt, schon an das erinnert, was erste Lebensbedingungen der Jupiterentwickelung sein werden. Weil der Mensch in einer gewissen Weise hier in seinem Leben während der Erdenverkörperung etwas zurückbehalten hat von den früheren Verkörperungen der Erde -— vom Mondendasein, Sonnendasein und Saturndasein -, deshalb nimmt er wieder etwas von der Zukunft auf in dem Leben, das er zwischen dem Tode und einer neuen Geburt durchläuft. Dagegen sind die Wesenheiten der höheren Hierarchien, soweit man sie durchschauen kann mit menschlichem Schauen, alle verknüpft - in einer gegenwärtigen Weise verknüpft -, zwar durchaus selbstverständlich mit der ganzen geistigen Welt, aber insofern mit der geistigen Welt, als sich diese gegenwärtig in irgendeiner Form schon auslebt. Sie werden in der Zukunft das Zukünftige offenbaren. So paradox das, was ich jetzt sage, in einer gewissen Weise klingt, so ist es doch so. Es klingt aus dem Grunde paradox, weil ja die Frage entstehen kann, wie die Wesen der höheren Hierarchien ihre Tätigkeit [in bezug] auf die Toten entwickeln, da die Toten schon Zukünftiges in sich tragen. Natürlich tragen auch die Wesenheiten der höheren Hierarchien Zukünftiges in sich und haben die Möglichkeit in sich, das Zukünftige zu bilden. Aber sie tun dies nicht, ohne etwas zu bilden, was für die Gegenwart unmittelbar charakteristisch ist. Das aber ist bei den Toten der Fall. Aus diesem Grunde gehört zum Bewußtwerden des Verkehrs mit den Toten, gewissermaßen als Vorbereitung, das Schauen desjenigen, was die höheren Hierarchien vollführen. Und erst wenn man mit seiner Seele eine mehr oder weniger bewußte Empfindung herbeigeführt hat zu den Wesen der höheren Hierarchien, wird es dieser Seele auf Grund der Wahrnehmungs- und Empfindungsfähigkeit gegenüber den höheren Hierarchien allmählich möglich, etwas über den Verkehr mit den Toten ins Bewußtsein hereinzubekommen. Ich meine damit nicht, daß man hellseherisch die höheren Hierarchien erfassen muß, aber verstehen, soweit die Geisteswissenschaft dazu die Möglichkeit bietet - und sie gibt die Möglichkeit dazu - muß man das, was von den höheren Hierarchien ins Dasein hereinfließt. Bei allen diesen Dingen kommt es auf das Verstehen an. Dann allerdings, wenn man sich bemüht, geisteswissenschaftlich diese Dinge zu verstehen, können auch jene Daseinsbedingungen eintreten, die schon etwas von einer Verbindung der sogenannten Lebenden mit den sogenannten Toten ins Bewußtsein hereinrufen. Zum Verständnisse dessen ist es notwendig, das Folgende ins Auge zu fassen.

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Cite: GA 181/1918-03-19/p005 · edition original