Sechster Vortrag
Sie werden schon öfters gehört haben, wenn Verbrechernaturen, in denen das Instinktive unterbewußt sehr stark wirkt, etwas getan haben, irgendeine Tat verrichtet haben, dann haben sie einen eigentümlichen Instinkt: sie werden zum Ort ihrer Tat zurückgetrieben, suchen den Ort ihrer Tat auf, ein unbestimmtes Gefühl treibt sie dorthin. Aber bei solchen Dingen drückt sich nur in besonderen Fällen das aus, was allgemein menschlich in bezug auf viele Dinge ist. Wenn wir nämlich irgend etwas getan haben, etwas verrichtet haben, und sei es die scheinbar unbedeutendste Verrichtung, so bleibt - man kann es nicht anders ausdrücken, obzwar es selbstverständlich wieder in einer Art Imagination ausgedrückt ist — etwas in uns von dem, was wir getan haben, von dem Ding, das wir angefaßt haben beim Tun; eine gewisse Kraft bleibt von dem Ding, das wir angefaßt haben, mit dem wir etwas getan haben, mit unserem Ich verbunden. Der Mensch kann gar nicht anders, als gewisse Verbindungen einzugehen mit all den Wesenheiten, die er trifft, und mit den Dingen, die er anfaßt — wobei ich natürlich nicht bloß das physische Anfassen meine -, mit denen er im Leben irgend etwas tut. Wir lassen überall unsere Merkzeichen zurück, und es bleibt das Gefühl des Verbundenseins mit den Dingen, mit denen wir durch unsere Handlungen in Berührung gekommen sind, in unserem Unterbewußtsein vorhanden. Das kommt bei solchen Naturen, von denen ich eben gesprochen habe, in einer abnormen Weise zum Ausdruck, weil das Unterbewußte sehr instinktiv heraufleuchtet in das gewöhnliche Bewußtsein; aber im Unterbewußtsein hat jeder das Gefühl, er müsse zu dem zurückkehren, womit er durch sein Handeln in Berührung gekommen ist.
Cite:
GA 181/1918-03-19/p007 · edition original