{"corpus":"steiner","locus":"GA 181/1918-03-26/p004","lang":"de","edition":"original","edition_basis":null,"is_original":true,"is_default_edition":true,"text":"Wir mußten dann darauf hinweisen, daß solche Möglichkeit, also gewissermaßen die seelische Luftverbindung, durch zwei Gefühlstichtungen beim Lebenden geschaffen wird. Die eine Gefühlsrichtung ist die, welche man nennen könnte das universelle Dankbarkeitsgefühl gegenüber allen Lebenserfahrungen. Ich sagte: Die Gesamtart, wie sich die Seele des Menschen zur Umgebung überhaupt verhält, zerfällt in einen unterbewußten Teil und in einen bewußten. Den bewußten Teil kennt jeder; er besteht darinnen, daß der Mensch mit Sympathien und Antipathien und mit seinen gewöhnlichen Wahrnehmungen verfolgt, was ihn im Leben trifft. Der unterbewußte Teil aber besteht darinnen, daß wir tatsächlich eben unter der Schwelle des Bewußtseins ein Gefühl entwickeln, das besser, erhabener ist als die Gefühle, die wir im gewöhnlichen Bewußtsein entwickeln können, ein Gefühl, das eben nicht anders bezeichnet werden kann als dadurch, daß wir in unserer Unterseele immer wissen, wir haben dankbar zu sein für jede Lebenserfahrung, auch für die kleinste, die an uns herantritt. Daß schwere Lebenserfahrungen an uns herantreten, mag uns gewiß für den Augenblick schmerzlich stimmen; aber für einen größeren Überblick des Daseins nehmen sich auch schmerzliche Lebenserfahrungen so aus, daß man zwar nicht in der Oberseele, aber doch in der Unterseele dankbar dafür sein kann, dankbar dafür, daß vom Universum unser Leben mit fortwährenden Gaben versehen wird. Das ist etwas, was einmal als ein wirklich unterbewußtes Gefühl in der Menschenseele vorhanden ist. Das andere ist, daß wir unser eigenes Ich verbinden mit jedem Wesen, mit dem wir irgendwie im Leben handelnd etwas zu tun gehabt haben. Unsere Handlungen erstrecken sich auf diese oder jene Wesen des Lebens, es können auch sogar unbelebte sein. Aber wo wir etwas getan haben, wo sich unsere Wesenheit mit einer andern Wesenheit handelnd verbunden hat, da bleibt etwas zurück, und dieses Zurückbleibende begründet eine dauernde Verwandtschaft unserer Wesenheit mit alledem, womit wir uns eben jemals verbunden haben. Ich sagte: Dieses Gefühl der Verwandtschaft ist die Grundlage für ein tieferes, der Oberseele gewöhnlich unbekannt bleibendes Gefühl einer Gemeinsamkeit mit der umgebenden Welt, ein Gemeinsamkeitsgefühl.","text_trust":"verbatim","quote_safe":true,"title":"Siebenter Vortrag","site_heading":null,"date":"1918-03-26","location":null,"word_count":327,"url":"https://anthroposophy.ai/v1/steiner/de/ga/181/1918-03-26/p004","alignment_confidence":null,"alignment_reason":null,"two_voice_volume":false,"translation_credit":null,"edition_coverage":{"de":["original"],"en":["English"]},"available_versions":[{"lang":"de","edition":"original","edition_basis":null,"is_original":true,"is_default_edition":true,"url":"https://anthroposophy.ai/v1/steiner/de/ga/181/1918-03-26/p004"},{"lang":"en","edition":"English","edition_basis":null,"is_original":false,"is_default_edition":true,"url":"https://anthroposophy.ai/v1/steiner/en/ga/181/1918-03-26/p004"}],"record":{"record_type":"unknown","scope":"volume","note":"How this text was taken down (shorthand transcript, listeners' notes or manuscript) is not on record here. Unknown is not an assurance of a stenogram: check the edition's own notes before resting an argument on one word.","evidence":null,"evidence_translation":null,"evidence_source":null}}