Siebenter Vortrag
Der Mensch kann diese beiden Gefühle, das Gefühl der Dankbarkeit und das Gefühl der Gemeinsamkeit mit der Umgebung, mit der er irgendwie karmisch verbunden war, immer mehr und mehr bewußt ausleben. Er kann gewissermaßen das, was in diesen Gefühlen und Empfindungen lebt, heraufheben in die Seele; und in dem Maße, als er gerade diese beiden Empfindungen heraufhebt in die Seele, macht er sich geeignet, die Brücke zu schlagen zu den Seelen, die ihr Leben zwischen Tod und neuer Geburt verbringen. Denn die Gedanken dieser Seelen können zu uns nur den Weg finden, wenn sie durch den Bereich des von uns entwickelten Dankbarkeitsgefühls wirklich durchdringen können; und wir können einzig und allein dadurch den Weg zu ihnen finden, daß unsere Seele wenigstens einigermaßen sich gewöhnt hat, wirkliche Gemeinschaft zu pflegen. Daß wir imstande sind, dem Universum gegenüber Dankbarkeit zu empfinden, läßt auch zuweilen eine solche Dankbarkeitsstimmung in unsere Seele fallen, wenn wir mit den Toten in irgendeine Verbindung treten wollen, daß wir geübt haben eine solche Dankbarkeitsstimmung, daß wir in der Lage sind, sie fühlen zu können, das bahnt den Gedanken des Toten den Weg zu uns. Und daß wir empfinden können: Es lebt unser Wesen in einer organischen Gemeinschaft, von der es ein Teil ist, wie unser Finger von unserem Körper, das macht uns reif dazu, auch gegenüber den Toten, wenn sie nicht mehr im physischen Leibe anwesend sind, eine solche Dankbarkeit zu empfinden, damit wir mit unseren Gedanken zu ihnen herüberkommen. Wenn man sich auf einem Gebiete so etwas angeeignet hat wie Dankbarkeitsstimmung, die Gemeinsamkeitsempfindung, dann hat man erst die Möglichkeit, sie im gegebenen Falle auch anzuwenden.
Cite:
GA 181/1918-03-26/p005 · edition original