Siebenter Vortrag

GA 181/1918-03-26/p007 ·1918-03-26 · original (original)
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Wenn im Erziehungssystem für die Pflege einer solchen Stimmung etwas getan würde, so wäre außerordentlich viel gewonnen. Erziehung ‚und Unterricht daraufhin anzulegen, geradezu an einzelnen Beispielen zu zeigen, wie das Leben gerade dadurch, daß es oftmals schwer zu durchdringen ist, Vertrauen verdiente, es würde ganz besonders viel bedeuten, wenn diese Stimmung in das Erziehungs- und Untetrichtssystem überginge. Denn indem man geradezu das Leben unter einem solchen Gesichtspunkte betrachtet: Verdienst du Vertrauen, o Leben? - stellt sich heraus, daß man vieles findet, was man sonst nicht im Leben findet. Man betrachte eine solche Stimmung nur ja nicht oberflächlich. Es darf eine solche Sache nicht dazu führen, nun alles glänzend und gut im Leben zu finden. Im Gegenteil, es kann in den einzelnen Fällen gerade dieses Vertrauen-haben-zum-Leben zu einer scharfen Kritik von schlimmen, törichten Dingen führen. Und gerade wenn man kein Vertrauen hat zum Leben, führt das oftmals dazu, daß man vermeidet, Kritik zu üben an Schlechtem und Törichtem, weil man vorübergehen will an dem, wozu man kein Vertrauen hat. Es handelt sich ja nicht darum, daß man zu dem einzelnen Dinge Vertrauen habe, das gehört in ein anderes Gebiet. Man hat zu dem einen Ding Vertrauen, zu einem andern nicht, je nachdem sich die Dinge und Wesenheiten darbieten. Aber zu dem Gesamtleben, zu dem Gesamtzusammenhalt des Lebens Vertrauen haben, darum handelt es sich. Denn, kann man etwas von dem im Unterbewußtsein immer vorhandenen Vertrauen zum Leben heraufholen, so bahnt es den Weg, um das Geistige, die weisheitsvolle Fügung und Führung im Leben auch wirklich zu beobachten. Wer sich, nicht theoretisch, sondern empfindend immer wieder und wieder sagt: So wie die Erscheinungen des Lebens aufeinanderfolgen, so bedeuten sie für mich etwas, indem sie mich in sich aufnehmen und etwas mit mir zu tun haben, wozu ich Vertrauen haben kann -, der. bereitet sich gerade damit vor, um das, was geistig lebt und webt in den Dingen, wirklich auch nach und nach wahrzunehmen. Wer dieses Vertrauen nicht hat, der verschließt sich vor dem, was geistig in den Dingen lebt und webt.

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