Siebenter Vortrag

GA 181/1918-03-26/p009 ·1918-03-26 · original (original)
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Ebenso wie sich das Vertrauen neben die Dankbarkeit hinstellt, so stellt sich auch neben das Gemeinschaftsgefühl etwas hin, was immer in der Unterseele vorhanden ist, aber auch wieder in die Oberseele heraufgeholt werden kann. Das ist wieder etwas, was man auch mehr berücksichtigen sollte, als man es tut. Und das kann man, wenn dieses Element, von dem ich jetzt sprechen will, in unserer materialistischen Zeit im Unterrichts- und Erziehungssystem berücksichtigt würde. Davon hängt ungemein viel ab. Soll der Mensch im gegenwärtigen Zeitenzyklus in der richtigen Weise sich in die Welt hineinstellen, dann hat er notwendig, etwas auszubilden, ich könnte auch sagen, etwas aus der Unterseele heraufzuholen, was in den früheren Zeiten des atavistischen Hellsehens von selbst kam, was nicht gepflegt zu werden brauchte, wovon spärliche Reste noch vorhanden sind, die aber nach und nach verschwinden, wie alles aus den alten Zeiten Stammende verschwindet, was aber heute gepflegt werden muß, und zwar gepflegt werden muß aus der Erkenntnis der geistigen Welt heraus, nicht aus unbestimmten Instinkten. Was der Mensch in dieser Beziehung braucht, ist die Möglichkeit, seine Gefühle für das, was ihn im Leben trifft, immer wieder und wieder zu verjüngen, zu erfrischen an dem Leben selber. Wir können das Leben so verbringen, daß wir von einem gewissen Lebensalter an mehr oder weniger uns müde fühlen, weil wir die lebendige Teilnahme am Leben verlieren, weil wir nicht mehr genug für das Leben aufbringen können, damit uns seine Erscheinungen Freude machen. Man vergleiche nur miteinander, wenn man äußere Extreme verbindet: das Ergreifen und Entgegennehmen der Erlebnisse in früher Jugend und das müde Entgegennehmen der Lebenserscheinungen im späten Alter. Denken Sie, wie viele Enttäuschungen mit solchen Dingen zusammenhängen. Es ist ein Unterschied, ob der Mensch imstande ist, seine Seelenkraft gewissermaßen einer fortwährenden Auferstehung teilhaftig werden zu lassen, daß ihr jeder Morgen neu ist für das seelische Erleben, oder ob er gewissermaßen im Laufe des Lebens für die Erscheinungen ermüdet.

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