{"corpus":"steiner","locus":"GA 181/1918-03-26/p015","lang":"de","edition":"original","edition_basis":null,"is_original":true,"is_default_edition":true,"text":"Ich habe dieses ausgeführt, selbstverständlich um erstens von einer gewissen Seite her ein Licht auf das Leben zu werfen, dann aber auch, um gerade dies, was die Unterseele des Menschen immer fühlt, was so schwer gerade in der heutigen Zeit in die Oberseele heraufzubringen ist, wonach aber die Seele des Menschen verlangt und in der Zukunft immer mehr und mehr verlangen wird, um dies ins rechte Licht zu stellen, daß wir etwas in der Seele brauchen von der Macht, die Kräfte dieser Seele immerfort so zu erneuern, daß wir nicht mit dem fortschreitenden Leben müde werden, sondern immer hoffnungsvoll dastehen und sagen: Jeder neue Tag wird uns ebenso sein wie der erste, den wir bewußt erlebt haben. -— Dazu müssen wir aber in einer gewissen Weise nicht alt zu werden brauchen; das ist dringend notwendig, daß wir nicht alt zu werden brauchen. Wenn man heute sieht, wie verhältnismäßig junge Menschen, Männer und Frauen, eigentlich seelisch schon so furchtbar alt sind, so sehr wenig darauf aus sind, jeden Tag aufs neue das Leben als etwas zu empfinden, was ihnen gegeben wird wie dem frischen Kinde, dann weiß man, was auf diesem Gebiete durch eine geistige Zeitkultur eben geleistet werden muß, gegeben werden muß. Und letzten Endes ist es eben doch so, daß das Gefühl, welches ich hier meine, dies Gefühl der nie, nie, nie schwächer werdenden Lebenshoffnung doch geeignet macht, das rechte Verhältnis zwischen den Lebenden und den sogenannten Toten zu empfinden. Sonst bleibt die Sache, die das Verhältnis zu einem Toten begründen soll, zu stark in der Erinnerung stecken. Man kann sich erinnern, was man mit dem Toten während des Lebens erlebt hat. Wenn man aber nicht die Möglichkeit hat, nachdem der Tote physisch fort ist, ein solches Gefühl zu haben, daß man immer neu erlebt, was man während des Lebens mit ihm durchgemacht hat, so kann man nicht so stark fühlen, nicht so stark empfinden, wie es notwendig ist unter diesem neuen Verhältnis zu empfinden: Der Tote ist ja nur noch als Geistwesen da und soll als Geist wirken. — Hat man sich so abgestumpft, daß man nichts mehr erfrischen kann an Lebenshoffnungen, so kann man nicht mehr fühlen, daß eine vollständige Umwandlung stattgefunden hat. Vorher konnte man sich dadurch helfen, daß einem der Mensch im Leben entgegentrat; jetzt aber steht einem nur der Geist zu Hilfe. Man kommt ihm aber entgegen, wenn man dieses Gefühl entwickelt der immerwährenden Erneuerung der Lebenskräfte, um die Lebenshoffnungen frisch zu erhalten.","text_trust":"verbatim","quote_safe":true,"title":"Siebenter Vortrag","site_heading":null,"date":"1918-03-26","location":null,"word_count":409,"url":"https://anthroposophy.ai/v1/steiner/de/ga/181/1918-03-26/p015","alignment_confidence":null,"alignment_reason":null,"two_voice_volume":false,"translation_credit":null,"edition_coverage":{"de":["original"],"en":["English"]},"available_versions":[{"lang":"de","edition":"original","edition_basis":null,"is_original":true,"is_default_edition":true,"url":"https://anthroposophy.ai/v1/steiner/de/ga/181/1918-03-26/p015"},{"lang":"en","edition":"English","edition_basis":null,"is_original":false,"is_default_edition":true,"url":"https://anthroposophy.ai/v1/steiner/en/ga/181/1918-03-26/p015"}],"record":{"record_type":"unknown","scope":"volume","note":"How this text was taken down (shorthand transcript, listeners' notes or manuscript) is not on record here. Unknown is not an assurance of a stenogram: check the edition's own notes before resting an argument on one word.","evidence":null,"evidence_translation":null,"evidence_source":null}}