Siebenter Vortrag

GA 181/1918-03-26/p016 ·1918-03-26 · original (original)
Record: unknown. How this text was taken down (shorthand transcript, listeners' notes or manuscript) is not on record here. Unknown is not an assurance of a stenogram: check the edition's own notes before resting an argument on one word.

Ich möchte hier eine Bemerkung machen, die Ihnen vielleicht sonderbar erscheint. Ein gesundes Leben, das besonders nach den Richtungen hin gesund ist, die jetzt hier entwickelt wurden, führt, wenn es nicht zu einer Bewußtseinstrübung kommt, niemals dazu, das Leben als etwas zu betrachten, dessen man überdrüssig ist; sondern das ganz gesund verbrachte Leben führt dazu, wenn man älter geworden ist, jeden Tag dieses Leben immer von neuem, von frischem anfangen zu wollen. Nicht das ist das Gesunde, daß man, wenn man alt geworden ist, denkt: Gott sei Dank, daß man das Leben hinter sich hat! -, sondern daß man sich sagen kann: Ich möchte gleich wieder, wo ich jetzt vierzig oder fünfzig Jahre alt bin, zurückgehen und die Sache noch einmal durchmachen! - Und das ist das Gesunde, daß man sich durch Weisheit darüber trösten lernt, daß man es nicht in diesem Leben ausführen kann, sondern in einer korrigierten Weise in einem andern Leben. Das ist das Gesunde: gar nichts vermissen zu wollen von alledem, was man durchgemacht hat, und, wenn Weisheit dazu nötig ist, es nicht in diesem Leben haben zu wollen, sondern auf ein folgendes warten zu können. Das ist das Vertrauen, das auf richtiges Vertrauen zum Leben und auf die rege erhaltenen Lebenshoffnungen gebaut ist.

Read this passage in another edition
DEoriginalENEnglish
Raw JSON: /v1/steiner/de/ga/181/1918-03-26/p016.json
Cite: GA 181/1918-03-26/p016 · edition original