Siebenter Vortrag
Nun haben Sie aus diesen Betrachtungen heute ersehen, wie wir auf unsere Seele in der Ausbildung gewisser Gefühle und Empfindungen wirken können, damit die Verbindungsbrücke geschlagen wird zwischen den sogenannten Toten und den Lebenden. Auch das letzte, was ich gesagt habe, ist geeignet, um in uns Gedanken, ich darf sagen, empfindende Gedanken oder gedankliche Empfindungen heranzuziehen, die sich wiederum an der Schöpfung dieser Brücke beteiligen können. Das geschieht dadurch, daß wir versuchen, mit Bezug auf einen bestimmten Toten immer mehr und mehr jene Empfindungsart auszubilden, die, wenn man etwas erlebt, in der Seele heraufkommen läßt den Impuls, sich zu fragen: Wie würde der Tote dieses jetzt, was du in diesem Augenblick erlebst, miterleben? Dazu die Imagination schaffen, als ob der Tote neben uns das Erlebnis mitmacht; und das recht lebendig machen, dann ahmt man in einer gewissen Beziehung die Art und Weise nach, wie entweder der Tote mit dem Lebenden oder der Tote mit Toten verkehrt, indem Sie das, was Ihnen verschiedene Sternengebiete geben, auf das Verhältnis Ihrer Seele beziehen oder aufeinander beziehen. Man ahmt schon hier das nach, was von Seele zu Seele spielt durch die Zugeteiltheit zu den Sternengebieten. Wenn man sich gewissermaßen konzentriert durch die Anwesenheit des Toten auf ein unmittelbar gegenwärtiges Interesse, wenn man auf diese Weise den Toten unmittelbar lebendig neben sich empfindet, dann wird aus solchen Dingen, die ich heute erörtert habe, auch immer mehr und mehr das Bewußtsein erwachsen, daß der Tote wirklich an uns herankommt. Die Seele wird sich auch ein Bewußtsein davon entwickeln. In dieser Beziehung muß man eben auch Vertrauen haben zum Dasein, daß die Dinge werden. Denn, wenn man nicht Vertrauen, sondern Ungeduld zum Leben hat, dann gilt die andere Wahrheit: Was das Vertrauen bringt, vertreibt die Ungeduld; was man durch das Vertrauen erkennen würde, verfinstert sich durch die Ungeduld. Nichts ist schlimmer, als wenn man sich durch die Ungeduld einen Nebel vor die Seele zaubert.
Cite:
GA 181/1918-03-26/p022 · edition original