Elfter Vortrag

GA 181/1918-04-09/p008 ·1918-04-09 · original (original)
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Nun ist es interessant zu verfolgen, welcher Zusammenhang besteht zwischen dem, was hier im physischen Leben unser Ich-Bewußtsein ist, und diesem sich auflösenden Leichnam. Kurioserweise hängen diese zwei Dinge in einer gewissen Beziehung zusammen: der sich auflösende Leichnam und das Ich-Bewußtsein. Ich sage: Das Ich-Bewußtsein — natürlich nicht das reale, das wirkliche Ich, denn dieses Ich geht selbstverständlich durch die Todespforte — lebt das Leben weiter zwischen Tod und neuer Geburt. Aber was hier im physischen Leben dem Menschen als Bild des Ich vorschwebt - er hat ja kein Bewußtsein von dem Ich, hat nur ein Bild des Ich im Bewußtsein -, das ist an den Leichnam gebunden, und zwar an denjenigen Stoffzusammenhang gebunden, der sich eben nach dem 'Tode im Universum auflöst. Diese Auflösung des Leichnams im Universum ist nichts anderes als das äußere Bild für das gesamte Ich-Bewußtsein; denn in Wahrheit gehört unser Ich-Bewußtsein diesem Universum an, in das sich unser Leichnam auflöst. Und daß wir in der Zeit zwischen Geburt und Tod in der sonderbaren Anschauung - für den Okkultisten sonderbaren Anschauung, für den gewöhnlichen Menschen selbstverständlichen Anschauung — verharren: Da innerhalb der Grenzen unserer Haut sind wir —, daran ist nur Schuld, daß die Stoffmassen unseres Leibes zwischen Geburt und Tod zusammengehalten werden. Von diesem Zusammenhalt kommt es her, daß wir auch diesem Rauminhalt, den wir mit unserem Fleisch und Blut ausfüllen, es stets zuschreiben, daß wir da sind. Denn eigentlich ist es absurd, wir sind gar nicht da. Wir sind in Wahrheit überall dort und versuchen sogar vom Einschlafen bis zum Aufwachen überall dort zu sein, wo nach dem Tode die Stoffteilchen unseres Leibes sein werden. Es wird uns nur zwischen Geburt und Tod das Majabewußtsein beigebracht, daß wir in diesem Rauminhalt seien, der durch unsere Haut begrenzt ist. Das ist aber ein Majabewußtsein, das uns beigebracht wird. Und der Tod ist unter vielem andern, was er ist, die Widerlegung dieses Majabewußtseins für die physisch-materielle Welt. Er führt die Teile unseres Leichnames dahin, wo in Wahrheit unser Ich-Bewußtsein immer weilt. Das ist schon etwas sehr Weittragendes.

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Cite: GA 181/1918-04-09/p008 · edition original