Vierzehnter Vortrag

GA 181/1918-05-21/p009 ·1918-05-21 · original (original)
Record: unknown. How this text was taken down (shorthand transcript, listeners' notes or manuscript) is not on record here. Unknown is not an assurance of a stenogram: check the edition's own notes before resting an argument on one word.

Ich sagte, gerade in der Gegenwart ist der Mensch mit Bezug auf diese Dinge in einen scharfen Konflikt hineingestellt. Die Gegenwart erkennt nicht an, daß so etwas stattfindet wie ein Hinunterrinnen eines geistigen Entwickelungsstromes in die Erdenereignisse; sie erkennt nicht an, daß der Mensch ein bloßes Instrument ist, und sie will eine Gesellschaftsordnung aufbauen, welche dies nicht anerkennt. Sie will eine Gesellschaftsordnung aufbauen, die eigentlich nur mit dem ganz persönlichen Menschen, der hier auf der Erde steht, rechnet, und [nur] diesen ganz persönlichen Menschen ins Auge fassen. Die äußerste Karikatur, die nur den allerindividuellsten Menschen ins Auge faßt, ist der neulich schon erwähnte Leninismus oder Trotzkismus. Diese Gesellschaftsanschauung kennt nur den Menschen, der hier auf der Erde steht. Ich meine damit nicht allein das Theoretische - das wäre das wenigste —, sondern ich meine die Lebenskonsequenzen. Solch ein Lenin oder Troizki suchen — sogar auf einem Gebiete, wo es am wenigsten hinpaßt — die Gesellschaftsstruktur so einzurichten, als ob eben nichts anderes in Betracht käme, als der einzelne fleischliche Mensch. Das aber ist ein Ideal, das sich auf dem Gebiete des sogenannten Sozialismus seit Jahrzehnten herangebildet hat, und Leninismus und Trotzkismus sind ja nur die letzten fratzenhaften Wehen einer solchen Anschauung, die sich eben seit langem herangebildet hat.

Read this passage in another edition
DEoriginalENEnglish
Raw JSON: /v1/steiner/de/ga/181/1918-05-21/p009.json
Cite: GA 181/1918-05-21/p009 · edition original