{"corpus":"steiner","locus":"GA 181/1918-05-21/p013","lang":"de","edition":"original","edition_basis":null,"is_original":true,"is_default_edition":true,"text":"Was heute geschieht - ich will nur eines herausheben -, das ist, daß sich in einer merkwürdigen Art vorbereitet die Bedeutungslosigkeit des äußeren britischen Reiches, die Lähmung desjenigen, was bisher die Welt eigentlich historisch als Britentum gekannt hat, indem das, was spezifisch britisch war, übergeht auf den Pan-Anglo-Amerikanismus. Das entwickelt sich in der unmittelbarsten Gegenwart. Es entwickelt sich etwas, was dahin tendiert, daß das Britentum verschwindet in den Pan-Anglo-Amerikanismus. Eine solche Sache liegt durchaus in jener Entwickelung, die wir auch schon in der verschiedensten Weise angedeutet haben, widerspricht ihr nicht. Aber auf der andern Seite ist es von einer ungeheuren Wichtigkeit, einen solchen tragenden Gedanken wirklich ins Auge zu fassen, denn es hängt etwas davon ab, ob man in sein Vorstellungsleben hinein richtige oder falsche Kräfte nimmt. Die Zeit kann uns in dieser Beziehung viel lehren, darauf muß man immer wieder und wieder hinweisen. Gewiß, die Menschen an den Fronten sind andere geworden. Das weiß jeder, der mit den Tatsachen bekannt ist. In welcher Weise sie sich umgewandelt haben, das zu erörtern, ist hier nicht der Ort. Aber unter denen, die innerhalb der Fronten gelebt haben, sind diejenigen doch noch außerordentlich zahlreich, die so denken wie im Juli 1914, die seitdem nichts gelernt haben, die genau dieselben Begriffe anwenden, die man im Juli 1914 angewendet hat. Wenn man mit den Menschen spricht, ist es so, daß sie einem dasselbe sagen, was sie auch im Juli 1914 hätten sagen können. Aber eigentlich kann der kein wacher Mensch heute sein, für den nicht jeder Begriff eine andere Prägung, eine andere Wertigkeit bekommen hat. Und aus diesem Grunde wird die Frage gestellt werden müssen — aber diese Frage sollte sich jeder als eine ganz ernste und, ich möchte sagen, christliche Gewissensfrage stellen -: Wo sind die Menschen heute zu finden, die vor dem Juli 1914 die Möglichkeit sich so recht vor Augen geführt haben, daß das kommen könnte, was nun bis zum heutigen Tage gekommen ist? Ich könnte - und Sie wissen, ich sage es nicht aus Albernheit - die Frage auch anders formulieren. In dem Vortragszyklus, den ich vor dem Kriege in Wien gehalten habe, findet sich neben anderem ein Ausdruck, der da lautet: Das gesellschaftliche menschliche Leben trägt jetzt etwas in sich, was man mit einem Karzinom vergleichen kann, was eine Krebskrankheit ist im Leben der Menschheit. Das mußte man damals ins Auge fassen. Aber viele Menschen sind es, die das bis heute noch nicht ins Auge gefaßt haben. Ich frage: Wie tief ist es verstanden worden, daß damals von dem Karzinom in der menschlichen Entwickelung gesprochen worden ist?","text_trust":"verbatim","quote_safe":true,"title":"Vierzehnter Vortrag","site_heading":null,"date":"1918-05-21","location":null,"word_count":428,"url":"https://anthroposophy.ai/v1/steiner/de/ga/181/1918-05-21/p013","alignment_confidence":null,"alignment_reason":null,"two_voice_volume":false,"translation_credit":null,"edition_coverage":{"de":["original"],"en":["English"]},"available_versions":[{"lang":"de","edition":"original","edition_basis":null,"is_original":true,"is_default_edition":true,"url":"https://anthroposophy.ai/v1/steiner/de/ga/181/1918-05-21/p013"},{"lang":"en","edition":"English","edition_basis":null,"is_original":false,"is_default_edition":true,"url":"https://anthroposophy.ai/v1/steiner/en/ga/181/1918-05-21/p013","paragraph_aligned":true}],"record":{"record_type":"unknown","scope":"volume","note":"How this text was taken down (shorthand transcript, listeners' notes or manuscript) is not on record here. Unknown is not an assurance of a stenogram: check the edition's own notes before resting an argument on one word.","evidence":null,"evidence_translation":null,"evidence_source":null}}