Vierzehnter Vortrag

GA 181/1918-05-21/p018 ·1918-05-21 · original (original)
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Das ist es aber, was das Leben bringen muß, und was die Zukunft fordert: daß die Menschen anfangen, das Geistige wieder als eine Realität anzusehen. Was ist heute dem Menschen als Geist einzig und allein bekannt? Im großen und ganzen nichts anderes als eine Summe von abstrakten Begriffen. Zu einer Summe von abstrakten Begriffen kommt der Mensch, von solchen abstrakten Begriffen, die eben gerade dadurch charakteristisch sind, daß sie bis zum siebenundzwanzigsten Jahre ganz gut aufgenommen werden können. Aber mit dem, daß wir hier auf der Erde leben zwischen Geburt und Tod, zuerst sprießendes, sprossendes Leben haben, dann mit dem achtundzwanzigsten Jahre stehenbleiben in dieser Entwickelung, und dann vom fünfunddreißigsten Jahre ab unser absteigendes Leben beginnen: mit dem ist ja eine reale, konkrete Geistigkeit verbunden, die sich ebenso verändert, wie sich der äußere Mensch verändert; und diese konkrete geistige Realität macht so ziemlich einen entgegengesetzten Gang durch als der äußere Mensch. Der äußere Mensch wird alt, wird runzelig, aber sein Ätherleib, sein Bildekräfteleib wird immer jünger; nur kümmert sich der Mensch heute nicht um diesen im Alter jüngerwerdenden Bildekräfteleib. Die Menschen gehen herum, haben Glatzen und graue Haare, und sie wissen nicht, daß sie einen Bildekräfteleib haben, der sprießendes, sprossendes Leben gerade dann hat, wenn sie anfangen, graue Haare zu bekommen, der ihnen gerade dann Dinge geben kann, die ihnen früher nicht gegeben werden konnten. Das ist allerdings durch den Zeitcharakter bedingt. Aber die Zeit braucht in dieser Beziehung Umkehr. Die Zeit braucht Wandelung der Begriffe. Eines, was in dieser Wandelung der Gedanken besonders gegeben sein muß, ist das, daß die Gedanken wieder ein bißchen kräftig und gesund werden, daß sie nicht haften an dem, was sich nur von außen darbietet; sonst kommen wir auf allen Gebieten auf die furchtbarsten Einseitigkeiten hinaus. Mit dem Gedanken die Wirklichkeit durchdringen auf irgendeinem Gebiete, das ist es, worauf es ankommt. Wir können auch das geschichtliche Leben der Menschen nicht verstehen, wenn wir nicht imstande sind, demjenigen, was äußerlich an Weisheit läuft, die innere Weisheit entgegenzubringen. Wir haben ja durch verschiedene Gründe, die mit dem Riß, mit dem Sprung, der in der Menschheitsentwickelung ist, zusammenhängen, aufgehört, manches Große zu verstehen, was noch in atavistischer Weise gefunden worden ist. Auf manchen Gebieten glauben die Menschen heute, originell zu sein.

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Cite: GA 181/1918-05-21/p018 · edition original