Vierzehnter Vortrag

GA 181/1918-05-21/p032 ·1918-05-21 · original (original)
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Goethe konnte nicht zur Spaltung der Mephistophelesfigur in eine luziferische und eine ahrimanische kommen, dazu war die Zeit noch nicht reif. Aber es lebte diese Zwiespältigkeit in Goethes Natur. Kurz, lernen müssen wir, an das ganze Menschenleben zu glauben, nicht bloß an die Kindheit. Lernen müssen wir, ein erwartungsvolles Leben führen zu können. Denken Sie sich, wenn man darauf neugierig wäre: Was wird mit mir sein, wenn ich nun einmal fünfzig Jahre alt sein werde? Wie viele Menschen hegen heute solche Gedanken? Wie viele führen ein Leben, daß sie daran glauben, daß immer neuer Inhalt in die Menschenseele hineinströmt? Welche Veränderungen würden auch im sozialen Leben der Menschheit vor sich gehen, wenn dieser Glaube an das ganze Leben die Menschen ergriffe! Und welcher einfache Gedanke könnte es sein, der zu diesem Glauben an das ganze Menschenleben hinführt? Der Gedanke, der in der Frage besteht: Hätte es denn einen Sinn, daß wir im Durchschnitt siebzig Jahre alt werden, wenn wir mit achtundzwanzig Jahren mit unserer Entwickelung fertig wären? Warum sollten wir dann älter werden? Aber dazu sind allerdings einige naturwissenschaftliche Hilfen nötig, damit das, was als Geisteswissenschaft auftritt, mit dem verbunden werden kann, was man heute wissenschaftlich ernst nimmt.

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