{"corpus":"steiner","locus":"GA 181/1918-05-21/p034","lang":"de","edition":"original","edition_basis":null,"is_original":true,"is_default_edition":true,"text":"Ich will dies nicht erwähnen, um die eine oder andere Persönlichkeit anzuschwärzen. Es handelt sich auch nicht um Persönlichkeiten, denn ich erzähle ein Beispiel, das mit Persönlichkeiten nichts zu tun hat. Denn der Mann, der die betreffende Dissertation zu beurteilen hatte, lachte über das, was er dem andern aus den Vorurteilen der Zeit heraus aufzuerlegen hatte. Und der andere, der Privatdozent werden wollte, lachte auch. Zwei außerordentlich nette Menschen, ein älterer und ein jüngerer. An den Menschen braucht es nicht zu liegen. Es liegt an der geistigen Substanz, in der unser Zeitalter steckt, und der gegenüber man nur aufkommen kann mit starken und kräftigen Gedanken. Und starke und kräftige Gedanken sind heute nur möglich, wenn die Menschheit aus dem Geiste heraus befruchtet wird, wenn wirklich nur auf dem gebaut wird, was Geisteswissenschaft geben kann. Also, ob man den Blick auf Goethe, ob man ihn auf die unmittelbare Gegenwart richtet, das ist es, was uns immer wieder aus den unmittelbaren Zeitverhältnissen entgegentönt: Erneuerung unserer Vorstellungswelt, Erneuerung unserer Empfindungswelt, Erneuerung unserer Gedanken, die sich in starker Weise der Gegenwart entgegenstellen. Davon hängt es ab, daß sich am einzelnen das Pfingstwunder erfüllt in der Seele, und daß sich dieses Pfingstwunder an der ganzen Menschheit, in unserer katastrophalen Gegenwart, als Lebenserneuerung erzeigt, indem die Menschen, erleuchtet durch den Geist, sich als individuelle Wesen so gegenüberstehen, daß durch das Zusammenwollen, durch das Zusammensinnen und Zusammenwachsen sich eine geistige Struktur der Menschheit bilden kann. Aus dem Menschen, aus dem Individuellen muß kommen, was für die Zukunft notwendig ist. Nicht dürfen wir warten auf eine allgemeine Botschaft, der die Menschheit zu folgen hätte. Solche Botschaft wird es nicht geben. Aber die Möglichkeit wird es geben, daß in jeder einzelnen Menschenseele das aufleuchtet, was aus der geistigen Welt kommen kann. Dann aber wird durch das Zusammenleben der Menschen das entstehen, was entstehen soll und was entstehen muß.","text_trust":"verbatim","quote_safe":true,"title":"Vierzehnter Vortrag","site_heading":null,"date":"1918-05-21","location":null,"word_count":309,"url":"https://anthroposophy.ai/v1/steiner/de/ga/181/1918-05-21/p034","alignment_confidence":null,"alignment_reason":null,"two_voice_volume":false,"translation_credit":null,"edition_coverage":{"de":["original"],"en":["English"]},"available_versions":[{"lang":"de","edition":"original","edition_basis":null,"is_original":true,"is_default_edition":true,"url":"https://anthroposophy.ai/v1/steiner/de/ga/181/1918-05-21/p034"}],"record":{"record_type":"unknown","scope":"volume","note":"How this text was taken down (shorthand transcript, listeners' notes or manuscript) is not on record here. Unknown is not an assurance of a stenogram: check the edition's own notes before resting an argument on one word.","evidence":null,"evidence_translation":null,"evidence_source":null}}