Fünfzehnter Vortrag

GA 181/1918-06-25/p021 ·1918-06-25 · original (original)
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Nun bleibt noch eines übrig. Wir haben, wenn wir bloß die Außenseite des Menschen ins Auge fassen, es nicht nur mit dem sichtbaren physischen Organismus des Menschen zu tun, sondern wir tragen auch einen feinen, ätherischen, übersinnlichen Organismus in uns, den ich, damit keine Mißverständnisse entstehen, in den neueren Ausführungen in der Zeitschrift «Das Reich» den Bildekräfteleib genannt habe. Dieser übersinnliche Organismus ist im Verhältnis zum äußeren physischen Organismus weniger differenziert, er ist eigentlich mehr eine Einheit; und nur durch eine grobe Beobachtung schreiben wir der äußeren Gestalt des Menschen eine Einheit zu. Die eigentliche Einheit des Menschen ruht in seinem ätherischen Leibe. Dieser ätherische Leib ist nun geradeso zu gliedern wie der physische Leib, aber eben nicht so, daß die Glieder nebeneinanderliegen; sondern beim ätherischen Leibe muß man so die Gliederung vornehmen, wie ich es zuletzt getan habe mit Bezug auf die Bewußtseinszustände. Dieser ätherische Leib ist auch in immer abwechselndem Bewußtsein, und zwar so, daß er im Tagesleben vom Aufwachen bis zum Einschlafen ein anderes Bewußtsein hat als vom Einschlafen bis zum Aufwachen. Da tragen wir wieder mit diesem übersinnlichen Leibe etwas sehr Bedeutungsvolles in uns. Wenn manche theosophische Theoretiker glauben, schon etwas besonderes damit getan zu haben, daß sie den Menschen gliedern in physischen Leib, ätherischen Leib, astralischen Leib und so weiter, so ist das eigentlich eine Art von Selbsttäuschung. Es ist eine Art von Systematik, und Systematiken sind nie eigentlich etwas wert. Einsichten bekommt man erst, wenn man näher untersucht, was eigentlich in diesem ätherischen Leibe vorgeht. Denn wenn man nur sagt: In uns lebt der ätherische Leib -, so hat der Mensch zunächst nur ein Wort, täuscht sich hinweg, glaubt eine Sache zu haben, indem er sich einen möglichst dünnen Nebel und so weiter vorstellt. Das ist aber Selbsttäuschung. Worauf es ankommt, das ist, daß wir in diesem Ätherleibe etwas sehr Wesentliches haben, nur kann es der Mensch im gewöhnlichen Leben nicht wahrnehmen. Aber was in diesem Ätherleibe im Tagesleben vom Aufwachen bis zum Einschlafen immer webt und lebt, das ist das Karma von früheren Erdenleben, das schaut er an. In der Tat, in unserem Unterbewußtsein webt dieser Ätherleib, und sein Weben ist Anschauung unseres Karma aus früheren Verkörperungen. Daß der Hellseher etwas vom Karma weiß, beruht darauf, daß er den Ätherleib so gebrauchen lernt wie sonst den physischen Leib. Lernt man ihn gebrauchen, so kann man gar nicht da herumkommen, im Karma eine Wirklichkeit zu sehen. Denn vom Aufwachen bis zum Einschlafen ist der Ätherleib konkret, als Wirklichkeit gefaßt, dies, daß er das Karma anschaut, und zwar vom Aufwachen bis zum Einschlafen das Karma aus früheren Erdenleben, und vom Einschlafen bis zum Aufwachen das werdende Karma. Es ist dies wieder vom hellsichtigen Gesichtspunkte aus geschildert.

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Cite: GA 181/1918-06-25/p021 · edition original