Fünfzehnter Vortrag

GA 181/1918-06-25/p024 ·1918-06-25 · original (original)
Record: unknown. How this text was taken down (shorthand transcript, listeners' notes or manuscript) is not on record here. Unknown is not an assurance of a stenogram: check the edition's own notes before resting an argument on one word.

Diese Seele hat das Eigentümliche, daß sie nie ganz mit dem Leibe verbunden war. Für den äußeren Psychiater war Weininger Hysteriker; für den, der die Sachen durchschaut, war es so, daß ein unregelmäßiger Zusammenhang zwischen seinem Geistig-Seelischen und seinem Physisch-Leiblichen vorhanden war. Was sonst normal ist, daß das Geistig-Seelische mit dem Einschlafen aus dem Physisch-Leiblichen herausgeht und mit dem Aufwachen wieder mit ihm zusammenkommt, das war bei Weininger anders. Ich könnte Ihnen die Stellen anführen, aus denen hervorgeht, wie zuzeiten das Geistig-Seelische aus dem Physisch-Leiblichen ein bißchen heraus ist, dann wieder rasch untertaucht, und im Untertauchen leuchtet ihm ein Gedanke auf, den er dann aufschreibt, oft in einer trockenen Weise; aber im Untertauchen wird er eben imaginativ und sehr merkwürdig. So erscheint dem, der die Sache durchschaut, was unregelmäßiger Zusammenhang ist des Geistig-Seelischen mit dem Physisch-Leiblichen, und in diesen unregelmäßigen Zusammenhang tritt auf merkwürdige Weise, aber in ganz besonderer Art, ein Wissen ein, das die Menschheit in der Zukunft wird haben müssen. Denken Sie sich: In einem Menschen, der ja für einen ganz grobklotzigen Psychiater Hysteriker ist, tritt ein Wissen auf, das die Menschheit in der Zukunft wird haben müssen, aber nun auch karikiert. Sie können sich nach dem, was ich heute gesagt habe, leicht vorstellen, daß durch irgendwelche Abnormitäten etwas wie Vorzügler einer Zukunft — wie es Nachzügler der Vergangenheit gibt — unter uns erscheinen, einer Zukunft, wo die Menschen werden wissen müssen von wiederholten Erdenleben, von Karma und vom Träumen des Karma. Und weil solche Menschen als Vorzügler solcher künftigen Zeiten auftreten, deshalb heilt das Wissen den Organismus nicht, sondern macht ihn krankhaft. Dann wird in einer etwas karikierten Weise mit Hilfe des krankhaften Organismus das herauskommen, was einstmals ein Wissen der Menschheit werden wird. Nehmen Sie zum Beispiel eine Stelle wie die folgende aus dem Buche «Über die letzten Dinge» von Weininger, herausgegeben von seinem Freund Rappaport: «Aus unserem Zustand vor der Geburt ist vielleicht darum keine Erinnerung möglich, weil wir so tief gesunken sind durch die Geburt: wir haben das Bewußtsein verloren, und gänzlich triebartig geboren zu werden verlangt, ohne vernünftigen Entschluß und ohne Wissen, und darum wissen wir gar nichts von dieser Vergangenheit.»

Read this passage in another edition
DEoriginalENEnglish
Raw JSON: /v1/steiner/de/ga/181/1918-06-25/p024.json
Cite: GA 181/1918-06-25/p024 · edition original