Die Drei Reiche Der Toten Das Leben Zwischen Tod Und Neuer Geburt
Nun habe ich heute nicht die Absicht, alle wesentlichen Dinge in bezug auf den Christus-Impuls zu sagen. Darüber haben wir ja im Laufe der Zeit mancherlei zusammengetragen und werden das auch noch tun. Aber eines möchte ich hervorheben, was insbesondere in der heutigen Zeit mit Bezug auf den Christus-Impuls ganz besonders stark hervortritt. Das ist, daß die Menschen doch schon einsehen müssen, daß der Christus-Impuls im allerallerintensivsten Sinne anders behandelt werden muß als andere geschichtliche Impulse. Sie sehen das auch ein, die Leute, aber sie schließen fortwährend irgendwelche Kompromisse. Sie machen Halbheiten, sie haben nicht den Mut zu Ganzheiten. Dasjenige, was man über den Christus-Impuls einsehen müßte, ist, daß es unmöglich ist, nach den Methoden der gewöhnlichen Geschichte überhaupt irgend etwas über den Christus-Impuls zu sagen. Bedeutende Theologen sagen, davon, daß die Evangelien echt seien im gewöhnlichen historischen Sinn, könne gar nicht die Rede sein; dasjenige, was angeführt werden kann als historischer, als geschichtlicher Beweis, daß der Christus gelebt hat, das kann man auf eine Quartseite zusammenschreiben, sagen die berühmten Theologen. Also berühmte Theologen der Gegenwart geben heute schon zu: Auf die Evangelien kann man sich nicht verlassen, wenn man sie als Geschichtsquellen nur behandeln will. Es ist auf keine Weise der Beweis zu liefern, daß sie historische Tatsachen darstellen. - Das ist selbstverständlich heute festzuhalten. Aber dasjenige, was man zur historischen Bekräftigung beibringen kann, so wie historische Dokumente da sind mit Bezug auf andere Persönlichkeiten der Weltgeschichte, das - sagen berühmte Theologen könne man auf eine Quartseite schreiben. Das Bedeutungsvolle dabei ist nur, daß das, was auf dieser Quartseite steht, auch nicht wahr ist im gewöhnlichen historischen Sinn.
Cite:
GA 182/1917-11-29/p036 · edition original