Die Drei Reiche Der Toten Das Leben Zwischen Tod Und Neuer Geburt
So greift ein ganz anderes Reich in unser Leben wirklich fortwährend herein, das Reich des Schicksalsgemäßen, das der heutige Mensch noch gar nicht beachtet, weil er eigentlich nur den Blick auf dasjenige richtet, was eben geschieht, und nicht darauf, was fortwährend aus seinem Leben ferngehalten wird. Sie können ja gar nicht wissen, ob Sie nicht jetzt vor drei Stunden etwas hätten unternehmen können, was von Ihnen abgehalten worden ist, wodurch Sie jetzt gar nicht mehr hier sitzen würden, vielleicht gar nicht mehr leben würden. Sie sehen immer nur dasjenige, wozu schon geistige Impulse in der mannigfaltigen Weise nötig waren, damit es eingetreten ist. Sie setzen zumeist nicht voraus mit dem gewöhnlichen Bewußtsein, daß dasjenige, was Sie tun im Leben, ein Ergebnis ist von mitwirkenden geistigen Impulsen. Werden Sie auf das aufmerksam, begreifen Sie, daß es ein Reich des Schicksalsgemäßen so gibt, wie es ein Reich des Natürlichen gibt, dann werden Sie dieses Reich des Schicksalsgemäßen keineswegs ärmer an Inhalt finden als das Reich des Natürlichen. Aber in diesem Reich des Schicksalsmäßigen, das nur, ich möchte sagen, in besonderen Ausschnitten, wenn extreme Fälle eintreten, wie der, den ich Ihnen erzählt habe, klipp und klar vor des Menschen Verstand hintritt, in dieses Reich des Schicksalsmäßigen wirkt das herein, was ich vorhin geschildert habe. Da wirken herein in die Gefühle, in die Willensimpulse, durch die das Schicksalsmäßige zieht, die Impulse der Toten. Und wenn auch derjenige Mensch, der so etwas sagt, heute noch von den «ganz Gescheirten» als ein abergläubischer Tor betrachtet wird, so ist es doch wahr, daß? mit eben derselben Exaktheit, wie man heute ein Naturgesetz ausspricht, man aussprechen kann, daß jenem Mann, dem eine Stimme zugesprochen hat, der oder jener Tote diese Stimme zugesprochen hat auf den Befehl wiederum von irgendwelchen Hierarchien, und daß fortwährend, vom Morgen bis zum Abend und insbesondere vom Abend bis zum Morgen, während unseres Schlafens, in uns hineinwirken die Impulse der Toten, und die Impulse der geistigen Hierarchien, die das Schicksalsmäßige wirken.
Cite:
GA 182/1917-11-29/p048 · edition original