{"corpus":"steiner","locus":"GA 182/1918-04-29/p005","lang":"de","edition":"original","edition_basis":null,"is_original":true,"is_default_edition":true,"text":"Nun könnte man vielleicht glauben, es sei nicht nötig, daß der Mensch sich beschäftigt mit diesem seinem geistig-seelischen Wesen, weil ja dieses geistig-seelische Wesen schon in der Welt seinen Weg finden werde. Aber das ist nicht der Fall. Das, was in uns geistigseelisch ist, das ergreift uns und steckt in uns, das hüllt sich gewissermaßen zum Teil in unseren Leib, zum Teil in unsere Fähigkeiten, zum Teil in unser Schicksal ein. Und man könnte sagen: Gerade in dem gegenwärtigen Entwickelungszyklus der Menschheit, in dem die Menschheit jetzt angekommen ist und in deren Sinn sie sich immer weiter gegen die Zukunft hin entwickeln wird, gerade im Sinne dieser Gegenwart und der Zukunft liegt es, daß der Mensch das, was sich so in ihn einlebt als geistiges Prinzip seines Leibes, als geistiges Prinzip seines Lebenslaufes und seiner Fähigkeiten, als geistiges Prinzip seines Schicksals, gewissermaßen erlöst. Dem Geiste entkommen wir nicht. Der Geist lebt einmal in uns. Wir können ihn unberücksichtigt lassen, dann lebt er trotzdem in uns. Wir können den faulsten, den bequemsten, den lässigsten Menschen ansehen, der niemals in seinem Leben sich Mühe gegeben hat, irgend etwas, was als religiöse oder geistige Anlagen in seinem Gemüte liegt, zur selbständigen Ausbildung zu bringen, der gewissermaßen ganz stumpf geblieben ist, wir können ihn ansehen: geistlos ist er nicht. Als geistlos von den Menschen zu sprechen, ist nur ein unrichtiges Wort. Es gibt keine geistlosen Menschen; es gibt auch nicht die Möglichkeit, im Leben geistlos zu sein. Denn das Geistige und das Seelische ist unsere Mitgabe, indem wir aus den geistigen Welten in die physische Welt eintreten; es ist uns zugeteilt nach Maßgabe desjenigen, was wir durchgemacht haben, bevor wir zu diesem jetzigen Erdenleben heruntergestiegen sind. Wir können nicht geistlos sein, aber wir können den Geist in uns unberücksichtigt lassen. Wir können uns gewissermaßen gegen ihn versündigen, wir können ihn nicht erlösen wollen. Wir können wollen, daß er nur in uns hineinschlüpft, in uns sich verhüllt: dann ist er in uns vorhanden, aber wir haben ihn nicht in uns befreit, wir haben ihn nicht erlöst.","text_trust":"verbatim","quote_safe":true,"title":"III. Mensch und Welt","site_heading":null,"date":"1918-04-29","location":null,"word_count":341,"url":"https://anthroposophy.ai/v1/steiner/de/ga/182/1918-04-29/p005","alignment_confidence":null,"alignment_reason":null,"two_voice_volume":false,"translation_credit":null,"edition_coverage":{"de":["original"],"en":["English"]},"available_versions":[{"lang":"de","edition":"original","edition_basis":null,"is_original":true,"is_default_edition":true,"url":"https://anthroposophy.ai/v1/steiner/de/ga/182/1918-04-29/p005"},{"lang":"en","edition":"English","edition_basis":null,"is_original":false,"is_default_edition":true,"url":"https://anthroposophy.ai/v1/steiner/en/ga/182/1918-04-29/p005","paragraph_aligned":true}],"record":{"record_type":"unknown","scope":"volume","note":"How this text was taken down (shorthand transcript, listeners' notes or manuscript) is not on record here. Unknown is not an assurance of a stenogram: check the edition's own notes before resting an argument on one word.","evidence":null,"evidence_translation":null,"evidence_source":null}}