III. Mensch und Welt
Fängt der Mensch an, sich in diese Dinge gefühlsmäßig zu vertiefen, dann empfindet er sich erst als Mikrokosmos gegenüber dem Makrokosmos. Dann empfindet er erst, wie diese ganze große unendliche Gotteswelt ihr Abbild geschaffen hat in seiner Menschennatur. Das ist aber eben etwas zum Empfinden, zum Fühlen. Dieses Empfinden, dieses Fühlen, dieses Sich-Fühlen im Universum, dieses Sich-Fühlen in der ganzen Geistigkeit der Welt, das ist etwas, was uns zuletzt aus der Geisteswissenschaft kommt! Wir schließen uns auf gegenüber der Welt, während wir uns sonst in unserem engbegrenzten Ich abschließen. Wir sind ein Gottesbild, aber wir wissen es sonst nicht; wir fangen an, uns zu fühlen als das Gottesweltenbild, als der Mikrokosmos im Makrokosmos. Wir lernen uns fühlend erkennen. Das geht stückweise, langsam. Ich möchte sagen: So wie wir diese langsame Folge der Tage durchlaufen durch unser Leben, so bringt uns das Fühlen mit der Geisteswissenschaft dieses Weltengefühl hervor. Aber es muß sich der Mensch erwerben dieses Weltengefühl. Denn dieses Weltengefühl wird ihn wiederum inspirieren zu den großen Aufgaben, die die Menschheit in der Zukunft hat. So sonderbar es heute noch klingt: Nicht fünfzig Jahre werden vergehen, und die Menschen werden keine Fabriken mehr bauen, keinen Acker mehr bebauen können nach den Anforderungen, die kommen werden über die Menschheit, wenn sie nicht dieses Gefühl haben! Diese Katastrophe, in der wir gegenwärtig stehen, ist nur der Ausdruck der Sackgasse, in welche die Menschheit hineingekommen ist. Die Welt ist schon weiter, und die Menschen sind mit ihren Gedanken und Gefühlen noch nicht weit genug gekommen; daher reichen die Gedanken und Empfindungen nicht aus, um diese Welt wirklich zu durchdringen und die Menschheitsarbeit harmonisch zusammenstimmend zu machen. Die Menschheit wird verurteilt sein, immer mehr und mehr die Disharmonie im sozialen Zusammenleben zu entwickeln, und immer mehr und mehr Kriegsstoff über die Welt auszusäen, wenn sie sich nicht hineinfinden wird in den Zusammenklang mit dem Kosmos in dem Fühlen, um dieses hineinzutragen in alles, was man tut, auch in das Alleralltäglichste. Es hängt deshalb Geisteswissenschaft schon zusammen mit dem, was unmittelbar eingreifen muß in den Gang der alleräußersten Kultur, oder es wird die Menschheit aus der Sackgasse nicht herauskommen. Man wird keine Fabriken, keine Schulen halten können in der Zukunft, wenn man nicht entwickeln wird Begriffe aus den großen Aufgaben des Universums heraus. Aufgaben waren es schon heute, aber die Menschen haben sie nicht berücksichtigt; daher ist diese Katastrophe gekommen. Die tieferen Ursachen liegen schon in dem eben Ausgesprochenen. Diese Gotteszeichen, die sich äußern in diesen katastrophalen Ereignissen, die müssen von der Menschheit berücksichtigt werden. Die Menschen müssen lernen, in ein bewußtes Verhältnis zum Kosmos sich zu setzen, weil es anders nicht mehr gehen wird.
Cite:
GA 182/1918-04-29/p014 · edition original