III. Mensch und Welt
Lassen Sie mich Ihnen ein Beispiel angeben, das heute noch viele als töricht ansehen werden, manche als wahnsinnig verketzern werden: Man hat gewiß große Fortschritte gemacht, sagen wir auf dem Gebiete der Chemie, aber man hat sie gemacht ohne ein solches Weltgefühl, wie ich es eben zum Ausdruck gebracht habe. Man wird in der Zukunft dieses Weltgefühl hinzuentwickeln müssen: der Laboratoriumstisch wird zum Altar werden müssen. Der Naturdienst, den man entwickelt, selbst im chemischen Experiment, wird sich bewußt sein müssen, daß das große Weltengesetz über den Laboratoriumstisch läuft, wenn man irgendeinen Stoff mit einem anderen löst, um den Niederschlag zu bekommen oder dergleichen. In dem ganzen Universum wird man sich drinnen fühlen müssen, dann wird man anders zu Werke gehen, und dann wird noch ganz anderes gefunden werden, als was die Leute heute gefunden haben, was groß ist, aber nicht die rechte Frucht wird tragen können, weil es ohne Ehrfurcht gefunden wird, ohne das Gefühl, das sich durchdringt mit der Harmonie des Universums. Wieviel Leute haben abstrahiert das, was man Sphärenmusik bei Pythagoras genannt hat! Hier haben Sie ein Gefühl von der Sphärenmusik im Erleben des Rhythmus, der durch das Weltenall geht. Nichts Abstraktes hat man sich darunter vorzustellen, sondern etwas, was in das lebendige Gefühl hineingeht (siehe Hinweis).
Cite:
GA 182/1918-04-29/p015 · edition original