III. Mensch und Welt
Denn, wie erlebt der Mensch das, was ihm mitgegeben ist durch die Empfängnis oder Geburt? Stellen Sie sich vor: In einiger Entfernung von Ihnen wird eine Kanone losgeschossen. Sie hören den Knall. Das Licht sehen Sie etwas früher. Aber denken Sie sich nun einmal, die Sache wäre so: Sie stünden neben der Kanone, und Sie würden durch irgendein Ereignis gerade so schnell losgeschossen wie der Schall. Sie flögen mit dem Schall durch die Luft, ebenso schnell wie der Schall geht: dann würden Sie den Schall nicht hören; in dem Augenblick hören Sie auf, den Schall zu hören, wo Sie sich mit Schallgeschwindigkeit weiterbewegen. Das ist der Grund, warum der Mensch den Geist nicht bemerkt, weil er mit derselben Schnelligkeit, wie der Geist wirkt, sich bewegt von der Geburt bis zum Tode. In dem Augenblick, wo Sie geisteswissenschaftliche Wahrheiten aufnehmen, versetzen Sie sich in eine andere Geschwindigkeit als der Körper. Daher fangen Sie an, die Welt in einem anderen Lichte wahrzunehmen. So wie Sie den Schall wahrnehmen, weil Sie nicht die gleiche Geschwindigkeit haben, so nehmen Sie den Geist im Lebenslaufe dadurch wahr, daß Sie sich in ein anderes Tempo bringen, innere Ruhe herstellen, wie Sie es lesen können in meinem Buche «Wie erlangt man Erkenntnisse der höheren Welten ?». Nicht mitleben mit dem Körper, sondern ein anderes Tempo herstellen! Aber das ist etwas, was die Menschheit sich überhaupt aneignen muß, was von ungeheurer Bedeutung ist.
Cite:
GA 182/1918-04-29/p021 · edition original