{"corpus":"steiner","locus":"GA 182/1918-04-29/p025","lang":"de","edition":"original","edition_basis":null,"is_original":true,"is_default_edition":true,"text":"Jüngst hat ein Staatsmann die Worte gesagt: Unser Verhältnis zur benachbarten Monarchie ist der Punkt, der in unserem ganzen zukünftigen Leben zur politischen Richtung werden muß. - Also stellen Sie sich vor: Das Verhältnis des einen Landes zum anderen Lande ist ein Punkt, und der Punkt wird zur Richtung. Man kann nicht unwirklicher denken! Stellen Sie sich aber vor, was für eine Konfiguration das ganze Seelenleben hat, das so ferne der Wirklichkeit steht, um solche Begriffshülsen auszudrechseln! Aber ein solches Seelenleben steht auch dem äußeren sozialen Leben ebenso fern, es taucht nicht unter in das soziale Leben. Was es ausdenkt, das wird nicht wirklich. Das ist in der Geisteswissenschaft unmöglich, daß man so unwirklich denkt wie die Begriffshülsen, zu denen man es allmählich in der neueren Zeit gebracht hat. Die Gegenwart ist so dünkelhaft, daß sie sich denkt, ganz besonders praktisch geworden zu sein. Sie ist aber nur schulmeisterlich geworden, lebensfremd geworden. Und ein künftiges Zeitalter wird unser Zeitalter dadurch charakterisieren, daß doch merkwürdigerweise auf so viele Menschen höchst imponierend der Weltenschulmeister wirkte: Woodrow Wilson, der auch nicht mit einem dünnen Faden in seinem Denken mit der Wirklichkeit zusammenhängt, sondern bei dem alle Worte der Unwirklichkeit entsprechen. Sie werden aber bewundert von denen, die nur ein wenig gehindert werden dadurch, daß sie mit ihm im Kriege sind. Aber gerade unter den Angehörigen der Mittelmächte gibt es heute viele, de Woodrow Wilson bewundern! Das wird in der Zukunft ganz besonders schwer zu begreifen sein, wie politische Programme, ohne Beziehung zur Wirklichkeit, gefunden werden, in denen die tollen Ideen von Weltenverträgen und Friedensverträgen unter Völkern und so weiter festgelegt werden. Wenn man das hätte so leicht machen können! Die Abstraktlinge seit den Stoikern denken ja an diese Dinge! Was als Wilsonsche Ideen heute auftaucht: für den, der die Sachen weiß, war dieses da, seitdem überhaupt Menschen da sind. Ein gesundes Denken sagt sich natürlich: Weil das immer da war und nicht realisiert werden konnte, ist es ungesund! Das heutige Denken ist der Wirklichkeit fremd geworden, deshalb hat es auch seine Freude an solch unwirklichen Gedanken.","text_trust":"verbatim","quote_safe":true,"title":"III. Mensch und Welt","site_heading":null,"date":"1918-04-29","location":null,"word_count":343,"url":"https://anthroposophy.ai/v1/steiner/de/ga/182/1918-04-29/p025","alignment_confidence":null,"alignment_reason":null,"two_voice_volume":false,"translation_credit":null,"edition_coverage":{"de":["original"],"en":["English"]},"available_versions":[{"lang":"de","edition":"original","edition_basis":null,"is_original":true,"is_default_edition":true,"url":"https://anthroposophy.ai/v1/steiner/de/ga/182/1918-04-29/p025"},{"lang":"en","edition":"English","edition_basis":null,"is_original":false,"is_default_edition":true,"url":"https://anthroposophy.ai/v1/steiner/en/ga/182/1918-04-29/p025","paragraph_aligned":true}],"record":{"record_type":"unknown","scope":"volume","note":"How this text was taken down (shorthand transcript, listeners' notes or manuscript) is not on record here. Unknown is not an assurance of a stenogram: check the edition's own notes before resting an argument on one word.","evidence":null,"evidence_translation":null,"evidence_source":null}}