Zweiter Vortrag
Daß wir so organisiert sind, daß wir an gewisses Geistig-Seelisches unserer Umgebung nicht herankommen können mit unseren abstrakten Begriffen, mit unserem Fassungsvermögen, das bewirkt, daß wir lieben können. Denn was wir lieben sollen, an das sollen wir nicht so herankommen, daß wir es analysieren im gewöhnlichen Sinne des Wortes, daß wir es zergliedern, daß wir es behandeln wie der Chemiker im Laboratorium die chemischen Stoffe. Man liebt ja nicht, wenn man chemisch analysiert oder chemisch synthetisiert. Erinnerungsfähigkeit, Liebefähigkeit, das sind die zwei Fähigkeiten, die zugleich entsprechen zwei Grenzen der menschlichen Natur. Der einen Grenze nach innen entspricht die Erinnerungsfähigkeit; was jenseits der Erinnerungszone liegt, ist unterbewußtes menschliches Inneres. Die andere Zone entspricht der Kraft der Liebefähigkeit; was jenseits dieser Zone liegt, entspricht dem Geistig-Seelischen des Universums. Das Unbewußte der menschlichen Natur liegt also jenseits dieser Zone, soweit das menschliche Innere reicht; das Geistig-Seelische des Universums geht unbegrenzt in die Weiten hinaus von der andern Zone an.
Cite:
GA 183/1918-08-18/p026 · edition original