Dritter Vortrag

GA 183/1918-08-19/p018 ·1918-08-19 · original (original)
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Will man den Menschen abschließen vom Geistigen, so nimmt man ihm den Christus. Dann hat man die Möglichkeit, den Jesus so zu benützen, daß die Erde nur in ihrem irdischen Aspekt vorhanden bleibt. Sie werden daher beim Jesuitismus eine fortwährende Bekämpfung der Christologie finden, dagegen ein scharfes Betonen dessen, daß man ein Heer ist, eine Armee für den Jesus. Ja, natürlich: Geisteswissenschaft ist schon ein Mittel, daß solche Dinge erkannt werden, daß den Menschen die Schuppen von den Augen fallen. Daher werden jene, die nicht erkannt sein wollen, immer wütender und wütender werden auf dasjenige, was Geisteswissenschaft will. Wütender, man sieht es: Das Juliheft der jesuitischen Zeitschrift «Stimmen der Zeit» — früher «Stimmen aus Maria-Laach» — enthält nicht nur einen, sondern gleich zwei Artikel gegen mich. Und wer dieses im Zusammenhang zu denken vermag mit dem, was sonst jetzt sich an neuen Aspirationen des Jesuitismus in der Welt entwickelt, der wird daraus überhaupt etwas Tieferes sehen können. Nur leider, man spricht ja von solchen Dingen heute doch zumeist vor einer schlafenden Menschheit. Die Menschen lieben es, die wichtigsten Dinge zu verschlafen, nicht hinzuhören auf dasjenige, was nun wirklich zukunftbestimmend ist. Daher werden die Menschen jetzt von allen Dingen, wie ich vorgestern sagte, überrascht. Sie wollen ja auch überrascht sein. Spricht man möglichst früh von den Dingen, die im Schoße der Zeit liegen, so betrachten die Menschen das als etwas Unbequemes, weil sie möglichst lange gut brav bürgerlich bequem auf ihren Polstersesseln sitzen möchten, auch wenn sie verantwortungsvolle, führende Menschheitsstellen innehaben. Aber diejenigen, welche sich für Geisteswissenschaft interessieren, sollten schon sich in die Seelen eingravieren, daß man alles tun wird, um diese Geisteswissenschaft unwirksam zu machen. Es ist nicht gerade gut, wenn auch wir innerhalb unserer Kreise allzusehr schlafen mit Bezug auf die Beobachtung desjenigen, was in der Welt vorgeht.

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Cite: GA 183/1918-08-19/p018 · edition original