Sechster Vortrag
So müssen wir uns die Begriffe allmählich korrigieren. Wir nehmen, wenn wir vor dem Spiegel stehen, nicht uns wahr, sondern unser Spiegelbild. Uns können wir vergessen. Wir sehen uns im Spiegel drinnen. So erlebt der Mensch auch nicht sich, indem er durch sein Gehirn dasjenige zusammenhält, was in den Löchern des Gehirnes liegt; er erlebt, wie sich überall sein Seelenleben spiegelt, indem es an die Gehirnmasse anstößt. Es spiegelt sich überall; das erlebt der Mensch. Er erlebt eigentlich sein Spiegelbild. Das aber, was da in die Löcher hereingeschlüpft ist, das ist dasjenige, was dann, wenn der Mensch durch die Pforte des Todes geht, ohne die Widerlage des Gehirnes seiner selbst bewußt wird, weil es dann in entgegengesetzter Weise mit Bewußtsein durchsetzt wird.
Cite:
GA 183/1918-08-26/p011 · edition original