Sechster Vortrag

GA 183/1918-08-26/p039 ·1918-08-26 · original (original)
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Meine lieben Freunde, in der neueren Zeit finden Sie in der Naturwissenschaft wiederum dasselbe Schema! Sie können es heute in materialistischen naturwissenschaftlichen Büchern aufschlagen: da finden Sie ganz genau dieses Schema, das Sie in den alten Mysterien aufgezeichnet gefunden haben, in den Pythagoräischen Schulen, wo alles noch auf die Hierarchien bezüglich war. Sie haben es bei den Griechen, wo es auf das Pneuma bezüglich war; Sie finden es heute wieder gezeichnet. Wir werden sehen, was es heute ist. Heute sagt der Naturforscher, indem er diese selbe Zeichnung seinen Schülern auf die Tafel zeichnet: Indem das Menschengeschlecht sich fortpflanzt, geht die Keimsubstanz der Eltern über auf die Kinder; ein Teil der Keimsubstanz bleibt aber so erhalten, daß er in der nächsten Generation wiederum auf die Kinder übergehen kann, und von dem bleibt wiederum ein Teil so, daß er wieder auf die Kinder übergehen kann, während ein anderer Teil der Keimsubstanz die Zellen des physischen Leibes bildet. — Sie haben ganz dasselbe Schema, nur sieht der heutige Naturforscher in dem Weißen (siehe Zeichnung) die Kontinuität der Keimsubstanz. Er sagt: Wenn wir zu den alten Menschenvorfahren hinaufgehen und ihre Keimsubstanz nehmen, die männliche und die weibliche Keimsubstanz nehmen, und gehen zu den jetzigen Menschen herunter und nehmen ihre jetzige Keimsubstanz, so ist das ein einziger Strom; die Keimsubstanz ist kontinuierlich. Es bleibt immer in der Keimsubstanz etwas ewig - so stellt es sich der Naturforscher vor - und nur gewissermaßen die Hälfte des Keimplasmas geht über in die andere Körperlichkeit. - Der Naturforscher hat wiederum dieselbe Figur, nur hat er jetzt nicht mehr das Pneuma, sondern das Weiße, das ist ihm jetzt die materielle Keimsubstanz. Es ist nichts Seelisch-Geistiges mehr, es ist ihm die materielle Keimsubstanz. Das können Sie bei den heutigen Naturforschern lesen, das nimmt man heute an als eine große, bedeutsame Enntdeckung. Das ist Materialisierung einer hochgeistigen Vorstellung, indem sie durch die Abstraktion durchgegangen ist; der abstrakte Begriff steht mitten drinnen. Und drollig ist es, daß ein Naturgelehrter der neueren Zeit ein Buch geschrieben hat — für jemanden, der ordentlich denken kann, ist es drollig -, in welchem er geradezu sagt: Was die Griechen sich noch unter Pneuma vorgestellt haben, ist heute die kontinuierlich bleibende Keimsubstanz. — Ja, es ist närrisch, aber es ist heute hohe Weisheit.

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Cite: GA 183/1918-08-26/p039 · edition original