Sechster Vortrag
Aber Sie sehen daraus eines: die Zeichnung macht es nicht! Und Sie werden daraus begreifen, warum ich immer in einer gewissen Weise mich gewendet habe gegen das Aufzeichnen von Schemen, solange wir noch versuchten, unsere Anthroposophie durch die Theosophische Gesellschaft durchzutragen. Man brauchte nur in irgendeinen theosophischen Zweig einzutreten: die Wände waren in der Regel behängt mit allerlei solchen Schemen. Da war alles mögliche aufgezeichnet, da standen dann Worte dabei, und da waren ganze Stammbäume und alles mögliche aufgezeichnet. Aber auf diese Zeichnungen kommt es nicht an, sondern es kommt darauf an, daß man wirklich zu dem lebendigen Vorstellen gehen kann; denn die Zeichnung kann ganz dieselbe sein, ob Sie sie als Ausfluß der Hierarchien, Geistig-Seelisches sich vorstellen, oder ob Sie sich das kontinuierliche Keimplasma, eine reine Materie, vorstellen. Diese Dinge verschwimmen dem heutigen Menschen. Daher ist es so wichtig, sich klar darüber zu sein, wie der Grieche noch etwas gewußt hat von dem realen Selbst im Menschen, von dem realen Geistigen, und wie das beim Römer in den abstrakten Begriff übergegangen ist. Sie können das an Äußerlichkeiten sehen. Indem der Grieche von seinen Göttern redet, redet er so, daß man ganz genau sieht: der Grieche denkt sich noch konkrete Figuren hinter den Göttern. Beim Römer sind die Götter im Grunde nur noch Namen, nur Bezeichnungen, sind Abstraktionen und werden immer mehr Abstraktionen. Beim Griechen war immer noch eine gewisse Vorstellung vorhanden, daß in dem Menschen, der hier steht, die Hierarchien leben, und in jedem Menschen verschieden die Hierarchien leben. Der Grieche nahm den Menschen seiner Realität nach, und wenn er sprach: Das ist der Alkibiades, das ist der Sokrates, das ist der Plato -, so hatte er noch den Begriff: da in den Alkibiades, in den Sokrates, in den Plato, da ragen herein die kosmischen Gedanken der Hierarchien in verschiedener Weise, und dadurch, daß da die kosmischen Gedanken in verschiedener Weise hereinragen, treten so verschiedene Figuren auf.
Cite:
GA 183/1918-08-26/p040 · edition original