Dritter Vortrag

GA 184/1918-09-08/p016 ·1918-09-08 · original (original)
Record: unknown. How this text was taken down (shorthand transcript, listeners' notes or manuscript) is not on record here. Unknown is not an assurance of a stenogram: check the edition's own notes before resting an argument on one word.

Schauen wir uns den heutigen Menschen an. Er steht, wie wir schen, im Mineralreich; er steht noch nicht im Pflanzenreich. Wenn der Mensch im Pflanzenreich stehen wird, wird sein ganzes Leben ein anderes sein. Er wird sich fühlen nicht als Persönlichkeit, sondern so, wie er sich heute als Persönlichkeit fühlt, wird er sich als Mensch fühlen, er wird sich fühlen als Glied der ganzen Menschheit. Er wird zum Beispiel, wenn er einmal im Pflanzenreiche stehen wird, es unerträglich finden, daß er einen bestimmten Grad des Glückes hat, wenn neben ihm jemand mit Unglück herumgeht. Heute fühlt sich der Mensch wie durch eine Scheidewand von andern Menschen abgeschlossen. Das muß so sein, sonst würde der Mensch niemals seine Persönlichkeit entwickeln können. Aber im künftigen Jupiterreich, wo der Mensch in der fünften Bildung stehen wird, wird es anders sein; da wird es ein ganz unerträglicher Gedanke sein, daß der eine glücklich, der andere neben ihm unglücklich sein kann, weil sich die Menschen nicht als Organismus fühlen, wie man in abstracto sagt. Jetzt fühlen sie sich ja nicht als Organismus: das ist aber eine Unwahrheit, eine Täuschung, eine Maja. Aber die Zeit wird kommen, wo der Mensch im Pflanzenreich stehen wird, wo er ein einzelnes Glück nicht erträglich finden wird, wenn neben ihm Unglück ist.

Read this passage in another edition
DEoriginalENEnglish
Raw JSON: /v1/steiner/de/ga/184/1918-09-08/p016.json
Cite: GA 184/1918-09-08/p016 · edition original