{"corpus":"steiner","locus":"GA 184/1918-09-08/p024","lang":"de","edition":"original","edition_basis":null,"is_original":true,"is_default_edition":true,"text":"Sie könnten freilich sagen: Nun ja, der Mensch erlebt hier im physischen Leib nur einen Teil mit; aber er lebt wahrhaftig nicht umsonst im physischen Leib: er erlebt die Welt vom Gesichtspunkt des physischen Leibes aus, weil er dasjenige, was er vom physischen Leib aus erlebt, nicht zwischen dem Tod und einer neuen Geburt erleben könnte. - Mag das, was der Mensch zwischen dem Tod und einer neuen Geburt im reinen geistigen Reiche erlebt, nun höher oder weniger hoch geschätzt werden, darüber wollen wir heute nicht sprechen, aber es ist anders als dasjenige, was der Mensch hier durch seinen Leib erlebt, und es ist sehr wichtig, das zu berücksichtigen. Und der Mensch ist wahrhaftig nicht umsonst durch seinen Leib in die Welt hineingestellt; denn das, was er durch seinen Leib in der Welt erleben kann, immer in Episoden der Gesamtmenschheitsentwickelung, das könnte er eben nicht erleben, wenn er nicht die Leibesentwickelung hätte. Es ist eine durchaus unzutreffende Vorstellung, wenn man der irdischen Leibesentwickelung in asketischer Art gegenübersteht, wenn man sie etwa nur als den Feind des höheren Menschen betrachtet. Das ist sie in Wahrheit nicht, sondern dasjenige, was dem Menschen etwas gibt, das er auf keinem andern Weg erlangen könnte. Und der Mensch irrt gar sehr, der das Leben im Leibe verachtet, der den Leib als etwas Niedriges ansieht, denn es bedeutet eben ein Höchstes, ein Wichtigstes, ein Bedeutungsvollstes im Gesamtleben des Menschen. Und Geisteswissenschaft kann am allerwenigsten sich jenem Mystizismus oder jener verkehrten Richtung des Christentums — nicht der richtigen, aber verkehrten Richtung - anschließen, welche verachtet dasjenige, was sie die irdische Welt nennt. Der Mensch erlebt eben zwischen dem Tod und einer neuen Geburt die Welt von einer andern Perspektive aus; er erlebt sie so, wie er sie erleben kann: in ihn herein wirken jetzt nicht die Geschöpfe wie durch den physischen Leib und Ätherleib, sondern die Schöpfer selbst. Da erlebt er etwas anderes.","text_trust":"verbatim","quote_safe":true,"title":"Dritter Vortrag","site_heading":null,"date":"1918-09-08","location":null,"word_count":316,"url":"https://anthroposophy.ai/v1/steiner/de/ga/184/1918-09-08/p024","alignment_confidence":null,"alignment_reason":null,"two_voice_volume":false,"translation_credit":null,"edition_coverage":{"de":["original"],"en":["English"]},"available_versions":[{"lang":"de","edition":"original","edition_basis":null,"is_original":true,"is_default_edition":true,"url":"https://anthroposophy.ai/v1/steiner/de/ga/184/1918-09-08/p024"},{"lang":"en","edition":"English","edition_basis":null,"is_original":false,"is_default_edition":true,"url":"https://anthroposophy.ai/v1/steiner/en/ga/184/1918-09-08/p024","paragraph_aligned":true}],"record":{"record_type":"unknown","scope":"volume","note":"How this text was taken down (shorthand transcript, listeners' notes or manuscript) is not on record here. Unknown is not an assurance of a stenogram: check the edition's own notes before resting an argument on one word.","evidence":null,"evidence_translation":null,"evidence_source":null}}